In der Nacht vom 28. auf den 29. März 2026 wurden die Uhren eine Stunde vorgestellt, sodass nun wieder die Sommerzeit (MESZ) gilt. Die ungarische Staatsbahn MÁV hatte diesen Umstand nicht berücksichtigt und kündigte am Sonntagmorgen eine Verspätung von einer Stunde für fast alle Züge an.
Ungarische Bahn verteilt 4,66 Millionen an Passagiere
Die MÁV hat sich über viele Jahre hinweg mit sinkender Servicequalität, immer häufigeren Störungen durch eine Unterfinanzierung und zuletzt der ministeriellen Fernsteuerung à la Lázár irgendwie durchgewurschtelt. Ein kleines, unerwartetes Detail brachte das Fass nun zum Überlaufen: die alljährlich wiederkehrende Zeitumstellung. Auf digitalen Geräten passiert das meist automatisch – doch das MÁV‑PLUS‑System war offenbar nicht darauf vorbereitet.

Das IT-System meldete nicht nur fiktive Verzögerungen, sondern begann laut dem ungarischen Nachrichtenportal „444.hu“, automatische Entschädigungen auszuzahlen, die den Fahrgästen auf Grundlage einer Verspätungsversicherung zustehen. Obwohl nicht alle eine Verspätung hatten, können alle Passagiere die Rückzahlung in Höhe der Hälfte des Ticketpreises behalten. Und wie die zugehörige MÁV‑Mitteilung rasch klarstellt, verdanken sie das der Regierung.
Es gehe nämlich um eine Anweisung von Nándor Csepreghy, dem Verkehrsstaatssekretär von Lázár, der die Bahngesellschaft damit gewissermaßen zu einer Entschuldigung verpflichtet. „Das Ministerium für Bau und Verkehr sowie der MÁV‑Konzern bitten die betroffenen Fahrgäste, dies als Entschuldigung des Verkehrsunternehmens für den heutigen, kurzzeitig aufgetretenen Fehler des Fahrgastinformationssystems zu betrachten“, übermittelt die MÁV die ministerielle Erklärung – diesmal ohne Verspätung, ganz nach Fahrplan. Insgesamt kostet die eine Stunde Verspätung die ungarische Staatsbahn 4,66 Millionen Euro.
DB zahlte 2024 rund 197 Millionen Euro Entschädigung
Die Deutsche Bahn hat ebenfalls mit Verspätungen zu kämpfen. Aus einem einstigen Symbol deutscher Zuverlässigkeit ist ein chronisch überlastetes System entstanden: Im Januar war gerade einmal jeder zweite Fernzug (52,1 Prozent) pünktlich. Vor einem Jahr war der Wert mit 66,9 Prozent noch deutlich besser gewesen. 2024 musste die DB wegen Verspätungen und Zugausfällen rund 197 Millionen Euro Entschädigung an Bahnreisende zahlen, 2023 waren es sogar nur 132 Millionen gewesen. Laut Bahn gingen 2024 80 Prozent der Verspätungen auf die überlastete Infrastruktur zurück.


