Drama am See

Badeunfall in Kiesgrube: Jetzt ist Edwin (16) querschnittsgelähmt

Tragödie in Sachsen: Freunde der Familie starten Spendenaufruf nach schwerem Schicksalsschlag.

Author - Stefan Doerr
Teilen
Edwins Leben veränderte sich für immer.
Edwins Leben veränderte sich für immer.GoFundMe

Ein Sprung ins Wasser, und plötzlich ist nichts mehr wie vorher. Die Kiesgrube in Ottendorf-Okrilla gilt seit Jahren als einer der beliebtesten, aber auch gefährlichsten Badeseen im Dresdner Umland. Obwohl das Baden dort verboten ist, zieht das Gewässer jeden Sommer tausende Menschen an. Für den 16-jährigen Edwin endete ein Ausflug mit Freunden jetzt in einer Tragödie.

Rettungshubschrauber flog Edwin in die Klinik

Vor wenigen Tagen war der Jugendliche aus Radeberg in Sachsen mit Freunden an der Kiesgrube. Beim Sprung ins Wasser verletzte sich Edwin schwer. Ein Rettungshubschrauber brachte ihn sofort in die Uniklinik Dresden. Dort versuchten die Ärzte in zwei mehrstündigen Operationen alles, um Edwin zu helfen. „Doch nach aktuellem Stand wird der 16-Jährige mit einer Querschnittslähmung leben müssen“, schreiben Vicky und Thomas Kotzsch, die für Edwins Familie einen Spendenaufruf auf GoFundMe gestartet haben.

Seit Mittwoch befindet sich Edwin in der Rehaklinik in Kreischa. Dort beginnt für ihn ein völlig neuer Lebensabschnitt. Einer, auf den kein Jugendlicher vorbereitet ist. „Wer Edwin kennt, weiß, was für ein hilfsbereiter und herzlicher Mensch er ist“, schreiben Vicky und Thomas Kotzsch in ihrem Aufruf.

Trotz Verbots ist die Kiesgrube Ottendorf in Sachsen ein beliebter Badesee.
Trotz Verbots ist die Kiesgrube Ottendorf in Sachsen ein beliebter Badesee.Stefan Hässler/Imago

Enorme Kosten durch schweren Schicksalsschlag

„Er engagierte sich mit Leidenschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Langebrück und war immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde. Für seine Familie, seine Freunde und seine Kameraden war auf Edwin immer Verlass.“

Dabei hatte der 16-Jährige große Pläne für sein Leben. Noch in diesem Jahr wollte er eine Ausbildung im Metallbau zum Werkzeugmacher beginnen. Vicky Kotzsch: „Sein großer Traum war es, später einmal Hufschmied zu werden. Er hat sich riesig auf diesen neuen Lebensabschnitt gefreut. Nun ist plötzlich alles anders.“

Mit der Spendenaktion sollen Edwin und seine Familie finanziell entlastet werden. Denn neben dem schweren Schicksalsschlag kommen nun enorme Kosten auf die Angehörigen zu. Viele Therapien, spezielle Hilfsmittel oder notwendige Umbauten werden von Krankenkassen nicht oder nur teilweise übernommen. Hinzu kommen Fahrten zu Ärzten, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen, mögliche barrierefreie Umbauten sowie später womöglich die Anschaffung eines geeigneten Fahrzeugs.

Die Initiatoren betonen: „Die Spendengelder werden ausschließlich zur Unterstützung der Familie und zur Bewältigung der finanziellen Folgen dieses schweren Unfalls verwendet.“

Gleichzeitig appellieren sie an die Öffentlichkeit, auf Schuldzuweisungen und Spekulationen in sozialen Netzwerken zu verzichten. „Niemand kann die Zeit zurückdrehen. Jugendliche treffen manchmal Entscheidungen, die Erwachsene nicht immer nachvollziehen können. Das haben viele von uns früher selbst getan. Dieser schreckliche Unfall hätte an vielen Orten passieren können“, meinen die beiden.

An der Kiesgrube Ottendorf Okrilla warnen Schilder vorm Baden.
An der Kiesgrube Ottendorf Okrilla warnen Schilder vorm Baden.Sven Ellger/Imago

Spekulationen über Schuldzuweisungen im Internet

Und weiter: „Es geht jetzt nicht darum, jemanden zu verurteilen. Jetzt geht es um einen 16-jährigen Jungen, dessen Leben sich für immer verändert hat und um eine Familie, die jede Unterstützung gebrauchen kann.“

Während Edwin um seine Zukunft kämpft, beschäftigen sich auch die Behörden mit dem Fall. Weil das Baden in der Kiesgrube verboten ist, wurde gegen den Jugendlichen eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Die Ermittlungen der Polizei dauern noch an.

Für Edwin dürfte diese Angelegenheit derzeit allerdings kaum im Mittelpunkt stehen. Viel wichtiger ist der lange Weg zurück in einen selbstbestimmten Alltag, der nach einem einzigen Sprung nie wieder derselbe sein wird.

Das Kieswerk sowie die Behörden warnen seit Jahren vor den Gefahren des Gewässers. Die Polizei erinnert deshalb daran, nur an freigegebenen Badestellen ins Wasser zu gehen, niemals in unbekannte Gewässer zu springen und nicht allein baden zu gehen.

Das Kieswerk und die Behörden warnen seit Jahren vor den Gefahren der Kiesgrube. Unter Wasser lauern oft unberechenbare Risiken wie plötzlich abfallende Böschungen, kalte Strömungen oder Hindernisse. Die Polizei appelliert deshalb erneut, ausschließlich an freigegebenen Badestellen ins Wasser zu gehen, niemals kopfüber in unbekannte Gewässer zu springen und nicht allein zu baden.