Musik aus der Maschine

KI-Songs erobern Spotify und bringen richtig Kohle

Millionen Streams, echte Einnahmen! Wer mit künstlicher Musik verdient und warum das die Branche aufrüttelt.

Author - Tobias Esters
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Kayla Kross gehört zu den bekanntesten KI-generierten Künstlerinnen auf Spotify und kommt auf Millionen monatliche Hörer.
Kayla Kross gehört zu den bekanntesten KI-generierten Künstlerinnen auf Spotify und kommt auf Millionen monatliche Hörer.Screenshot: kaylakrossmusic/Instagram

Sie klingen wie echte Popstars, stehen in den Charts – und spülen Zehntausende Euro ein. Doch hinter immer mehr erfolgreichen Songs auf Spotify steckt kein Mensch, sondern Künstliche Intelligenz. KI-Musik erobert gerade die Streaming-Welt und wird für einige zu einem überraschend lukrativen Geschäft.

KI erobert die Charts

KI-Musik ist längst kein kurioses Experiment mehr, sondern ein handfestes Geschäft. Songs aus dem Rechner landen in den Charts, KI-Acts sammeln Millionen Streams und verdienen damit echtes Geld. In Deutschland schaffte es zuletzt die KI-Version von „Papaoutai“ bis auf Platz 10 der Spotify-Charts. Gleichzeitig hören Millionen Nutzer regelmäßig Künstlernamen wie Kayla Kross, Sienna Rose oder Olivia B Moore – obwohl hinter ihnen kein Mensch, sondern ein Algorithmus steckt.

Besonders auffällig ist Kayla Kross. Der KI-Act kommt auf rund 2,7 Millionen monatliche Hörer bei Spotify. Rechnet man konservativ, bedeutet das schnell zweistellige Millionen-Aufrufe ihrer Songs pro Monat. Spotify zahlt im Schnitt etwa 0,0025 bis 0,004 Euro pro Stream. Das macht dann 25.000 bis 40.000 Euro im Monat, also bis zu rund 480.000 Euro im Jahr – für Musik, die komplett künstlich erzeugt wurde.

Spotify zahlt die Einnahmen immer an denjenigen aus, der einen Song hochlädt und als Rechteinhaber registriert ist. Genau das macht KI-Musik für viele so attraktiv. Mit wenigen Klicks lassen sich Songs produzieren, die ganze Genres imitieren und Einnahmen generieren.

Der KI-Song „Papaoutai - Afro Soul“ belegt aktuell Platz 10 der Spotify-Charts in Deutschland.
Der KI-Song „Papaoutai - Afro Soul“ belegt aktuell Platz 10 der Spotify-Charts in Deutschland.Screenshot: Spotify

Viele Nutzer merken dabei gar nicht, dass sie KI hören. Genau das kritisieren auch Stimmen aus den sozialen Netzwerken. Der TikToker Eska warnt davor, dass KI-Songs auf Spotify bislang nicht eindeutig gekennzeichnet sind. Menschen würden Musik hören, ohne zu wissen, dass sie nicht von echten Künstlern stammt. Gleichzeitig pushen KI-Acts ihre Songs auf TikTok und Instagram – oft ebenfalls mit KI-generierten Videos.

@eskatore ich kann das alles nicht mehr #musik #Lieder #musiker ♬ Originalton - Eska

Während KI-Produzenten verdienen, wächst der Unmut in der Musikbranche. Stars wie Stevie Wonder, Katy Perry, Bon Jovi oder R.E.M. warnen in einem Offenen Brief davor, dass KI das künstlerische Schaffen entwerten könnte. Organisiert wird der Protest von der Artist Rights Alliance.

Spotify verschärft die Regeln

Spotify selbst sieht das Problem. Der Streamingdienst erklärte, man habe allein im vergangenen Jahr über 75 Millionen Spam-Tracks entfernt, viele davon KI-Produktionen. Künftig sollen strengere Regeln greifen, unter anderem gegen Stimm-Imitationen und massenhafte KI-Uploads. Außerdem sollen Songs transparenter gekennzeichnet werden, wenn Künstliche Intelligenz an ihrer Entstehung beteiligt war.

KI-Musik ist gekommen, um zu bleiben. Für einige ist sie eine Spielerei, für andere ein lukratives Geschäftsmodell. Während echte Künstler um Anerkennung und Schutz kämpfen, zeigt der Blick auf Acts wie Kayla Kross vor allem eines: Mit Musik aus der Maschine lässt sich bereits heute sehr viel Geld verdienen.

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