Deutschland ist noch immer im Lotto-Fieber, denn die Jackpot-Serie hält an: Ein weiteres Mal wurde der Jackpot im Lotto 6 aus 49 am Mittwoch nicht geknackt. Erneut sind bei der Ziehung also 50 Millionen Euro im Jackpot, erneut haben Millionen Menschen in Deutschland eine Chance. Dass die verschwindend gering ist, weiß eigentlich jedes Kind. Aber: Trotzdem setzen jede Woche unzählige Spieler ihre Kreuzchen. Das wirft eine Frage auf: Sind Menschen, die Lotto spielen, eigentlich ein bisschen blöd?
Gewinnchancen beim Lotto sind verschwindend gering
Die Frage könnte schnell aufkommen, immerhin kostet Lotto spielen Geld – und die Gewinnchancen sind verschwindend gering. Beispiel 6 aus 49: In dem Lotto-System gibt es 13.983.816, also knapp 14 Millionen mögliche Kombinationen für die sechs Zahlen. Mit den zehn möglichen Superzahlen werden daraus insgesamt 139.838.160 Kombinationen, also knapp 140 Millionen mögliche. Würde man 140 Millionen Tennisbälle aneinanderlegen, würde das von Berlin nach Los Angeles reichen.
Nun stellen wir uns vor, dass ein einziger der Tennisbälle rot eingefärbt ist. Das ist die eine richtige Kombination im Lotto, für die es den Jackpot gibt. Wir fahren nun mit einem Auto blind die Strecke von Berlin nach Los Angeles. Wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen beliebigen Tennisball irgendwo auf der Strecke antippen – und es ausgerechnet der rote ist? Vergleiche wie dieser werden immer wieder gern genutzt, um zu zeigen, wie unwahrscheinlich es ist, dass man im Lotto gewinnt. Und doch wird in Deutschland getippt, getippt, getippt.

Im Netz sorgte das bereits für lebhafte Diskussionen um eine Frage: Sind Lottospieler eigentlich doof? Wie kann man sein Geld für etwas ausgeben, bei dem man weiß, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass man den Spieleinsatz verliert? „Aus mathematischer Sicht macht Lotto spielen absolut keinen Sinn“, schreibt etwa ein Nutzer in einem Forum zum Thema Finanztipps. Ein anderer: „Die Wahrscheinlichkeit ist größer, zweimal gleichzeitig vom Blitz getroffen zu werden, als einen Sechser im Lotto zu haben. Also immer den Kopf einschalten.“
Für viele ist Lotto Geldverschwendung
Auch beim Frageforum „Gutefrage“ wurde schon diskutiert, ob Lotto spielen doof ist. „Ja, ist dumm. Denn die Wahrscheinlichkeit, das große Glück zu haben, ist in Prozent gleich null“, antwortete ein Nutzer. Ein anderer: „Für mich ist es Geldverschwendung. Ob einem der Nervenkitzel das Geld wert ist, muss aber jeder selbst entscheiden.“ Und ein Nutzer beschwert sich: „Wenn meine Eltern den wöchentlichen Einsatz ins Sparkässle getan hätten, wäre mein Erbe um einiges größer ausgefallen.“

Aber: Warum geben wir Geld für Lotto aus, obwohl wir eigentlich wissen, dass wir nicht gewinnen werden? Gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärte Dr. Tobias Hayer, Leiter der Arbeitseinheit Glücksspielforschung an der Universität Bremen, das Phänomen. Menschen handeln nicht immer rational, sagt er. „Wahrscheinlichkeiten wie eins zu 140 Millionen sind für uns kaum greifbar. Solche extrem seltenen Ereignisse können wir kognitiv gar nicht richtig einordnen.“
Darum spielen wir Lotto trotz geringer Chancen
Denkfehler sorgen laut Hayer dafür, dass viele Lottospieler glauben, den Jackpot tatsächlich knacken zu können. Wer etwa immer wieder die gleichen Zahlen tippt, bekommt ein Gefühl der Kontrolle. Und wer dann einmal nicht teilnehmen kann, bekommt schnell Angst, dass ausgerechnet jetzt die eigenen Zahlen gezogen werden. Insgesamt ist Lotto laut dem Experten eher ein Weg für viele Spieler, Stress abzubauen. Sie stellen sich vor, dass sie gewinnen – und was sie mit dem Geld tun würden. „Diese Tagträume lösen angenehme Gefühle aus“, sagt Hayer.
Sind Lottospieler also dumm? Nicht automatisch – auch wenn rein mathematisch gesehen jedes Kind weiß, dass man bei rund 140 Millionen möglichen Kombinationen nur schwer einen Volltreffer erzielen kann. Oftmals träumen Menschen, die ihre Kreuzchen setzen, einfach nur insgeheim von einer besseren Zukunft. Und schließlich gibt es immer wieder glückliche Lottogewinner, deren Leben sich durch einen Einsatz von ein paar Euro verändert hat. Das ultimative Glück: Nur selten scheint es so nah zu sein wie beim Setzen der Kreuzchen auf dem Lottoschein.


