Angriff in Jugendeinrichtung

Blutbad in Stade: Amtsgericht erlässt Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes

Die Staatsanwaltschaft hat wegen des Verdachts auf sechsmaligen Mord mit Heimtücke und niederen Beweggründen Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen.

Author - Sebastian Krause
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Einsatzkräfte stehen auf einer Straße in Stade. In einer Jugendhilfeeinrichtung sind sechs Menschen getötet worden.
Einsatzkräfte stehen auf einer Straße in Stade. In einer Jugendhilfeeinrichtung sind sechs Menschen getötet worden.NWM-TV/dpa

Nach den tödlichen Schüssen auf sechs Menschen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade hat das Amtsgericht Haftbefehl gegen den 45 Jahre alten Tatverdächtigen erlassen. Der Beschuldigte wurde den Angaben zufolge anschließend in eine JVA gebracht.

Staatsanwaltschaft spricht von sechsfachem Mord

Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord, hieß es in einer Mitteilung am Dienstagabend.

Zwei tatverdächtige Frauen sind wieder frei

„Während eines Hilfeplangesprächs unter Beteiligung mehrerer Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamtes der Region Hannover soll er plötzlich mit der mitgebrachten Schusswaffe auf die Mitarbeiter geschossen haben, um sie zu töten“, schrieb die Staatsanwaltschaft.

Ein Gedenkgottesdienst am Dienstagabend für die Todesopfer von Stade.
Ein Gedenkgottesdienst am Dienstagabend für die Todesopfer von Stade.Carsten Neff/dpa

In Bezug auf die beiden Frauen, die zuvor vernommen worden waren – die Mutter der gemeinsamen Tochter und die Fahrerin des Tatverdächtigen – habe die Staatsanwaltschaft keinen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Sie sind aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen worden, wie es weiter hieß.

Mann hat keine waffenrechtliche Erlaubnis

Der Mann soll am Montag in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in der Stadt westlich von Hamburg vier Frauen und zwei Männer getötet haben. Fünf erlagen am Tatort ihren Verletzungen, ein weiteres Opfer starb im Krankenhaus. Drei der Getöteten waren Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover, die anderen drei Getöteten waren Mitarbeitende der Stader Jugendhilfeeinrichtung.

Hintergrund der Tat ist nach bisherigen Erkenntnissen wahrscheinlich ein Sorgerechtsstreit. Der Tatverdächtige hatte in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter. Die 34-jährige Mutter des Kindes und deren gemeinsame drei Monate alte Tochter blieben bei der Tat unverletzt. Die Polizei befragte die Frau, das Baby wurde in die Obhut des Jugendamtes übergeben. Die Ermittler hatten zunächst nicht mitgeteilt, um welche Art von Waffe es sich handelte und wie der Verdächtige daran gekommen sein soll. Eine waffenrechtliche Erlaubnis hatte der Mann nach Angaben der Behörden nicht.

Gedenken an die Opfer

Am Mittwoch (14 Uhr) soll es in der Marktkirche Hannover ein Gedenken für die drei Mitarbeiter der Jugendhilfe der Region Hannover geben. Mit Gebeten, Texten und Musik soll ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden, auch für alle Mitarbeitenden der Jugendämter, hieß es in einer Mitteilung. Am Dienstag fand in der St.-Wilhadi-Kirche ein Gedenkgottesdienst statt.

Einsatzkräfte und Spurensicherung stehen auf einer Straße in Stade.
Einsatzkräfte und Spurensicherung stehen auf einer Straße in Stade.Fabian Höfig/NEWS5/dpa

„Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Familien, Freundinnen und Freunden der Getöteten sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die dieses unfassbare Ereignis verarbeiten müssen“, teilte die Region Hannover mit. Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe setzten sich täglich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein und begleiteten Familien in oftmals sehr belastenden Lebenssituationen. Dass Kolleginnen und Kollegen dabei ihr Leben verlieren, mache fassungslos.

Hintergründe der Tat werden noch geklärt

„Viele unserer Mitarbeitenden trauern und stehen unter dem Eindruck dieser schrecklichen Tat. Sie in dieser Situation zu begleiten und zu unterstützen, hat für uns höchste Priorität“, hieß es weiter. Mit den Behörden sei man im engen Austausch. Die Hintergründe der Tat würden derzeit noch aufgeklärt.

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