Nach dem schockierenden Blutbad in einer Mutter-Kind-Einrichtung am Montag in Stade laufen die Ermittlungen auf Hochtouren weiter. Sechs Menschen wurden erschossen, alle waren Beschäftigte des Hilfehauses. Kurz nach der Tat wurde der flüchtende Verdächtige festgenommen. Was weiß man über den 45-jährigen Mann und das Motiv?
Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich den Angaben der Polizei nach um einen in Deutschland geborenen Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit. Nach Informationen des „Spiegels“ heißt der 45-Jährige Fatih Khan G. und lebte in Garbsen bei Hannover.
Der Mann war der Polizei bereits bekannt. Nach Informationen der Ermittler trat er unter anderem mit Drohungen in Erscheinung. Als besonders gewalttätig sei er bislang jedoch nicht eingestuft worden, sagte die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol.
Fatih Khan G. soll Tatwaffe in Berlin gekauft haben
Zur Tatwaffe machten die Ermittler keine genaueren Angaben. Der 45-Jährige hat keine Erlaubnis zum Besitz oder Führen von Schusswaffen. Unklar blieb, um welche Art von Waffe es sich handelte – und wie er an sie herankam. Wie der NDR Niedersachsen berichtet, soll der Mann die Tatwaffe in Berlin am Bahnhof Zoo gekauft haben.
Zwischenzeitlich wurde von Medien berichtet, der Tatverdächtige wäre Mitglied eines Clans in Hannover. Die Ermittler bestätigten das nicht. „Wir haben derzeit keine Hinweise dafür, dass eine Clanzugehörigkeit besteht“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft der dpa.
Nach der Tat flüchtete der Verdächtige in einem Mercedes. Laut NDR soll er dabei auf Polizisten geschossen haben, bis die Munition alle war.
Die 65-jährige Frau, die am Steuer saß, soll die Patentante des Babys sein und aus Bremen kommen. Die Polizei stoppte das Fahrzeug durch Schüsse auf den Wagen und nahm beide Insassen fest.
Vater soll drei Monate altes Baby geschüttelt haben
Als mögliches Motiv nennen die Ermittler einen Sorgerechtsstreit. Fatih Khan G. hatte am Tattag einen Termin in der Einrichtung, bei dem es um seine drei Monate alte Tochter gegangen sein soll. Nach Angaben der Region Hannover war es ein sogenanntes Hilfeplangespräch. Weil der Vater als auffällig galt, soll das Treffen in größerer Runde angesetzt worden sein.
Einem „Spiegel“-Bericht zufolge soll Fatih Khan G. sein kleines Kind geschüttelt und dadurch gefährdet haben. Ein Arzt stellte demnach entsprechende Verletzungen bei dem Baby fest. Der 45-Jährige und die Kindsmutter waren demnach getrennt. Dem Magazin zufolge gab es einen Streit um das Sorgerecht, in dem ein Gericht im April und Mai zweimal entschied.
Das kleine Mädchen soll zeitweise aus der Familie genommen worden sein. Später durfte es demnach unter Auflagen zu seiner 34-jährigen Mutter zurückkehren, allerdings nicht an deren Wohnort in Hannover. Stattdessen lebten Mutter und Tochter in der Einrichtung in Stade. Beide überlebten die Tat unverletzt.
Todesopfer kamen zu dem Gespräch nach Stade
Bei den Todesopfern handelt es sich um vier Frauen und zwei Männer. Alle waren nach Polizeiangaben in der Jugendhilfeeinrichtung beschäftigt. Ihre Identität wurde zunächst nicht veröffentlicht. Drei Opfer sollen nach NDR-Informationen bei der Region Hannover gearbeitet haben. Sie sollen für ein Gespräch mit dem mutmaßlichen Täter nach Stade gefahren sein.



