Sardinien

Wie bitte? Sonnenschirm‑Verbot für Menschen zwischen 10 und 65 Jahren an Traumstrand

Am Strand Punta Molentis auf Sardinien sind Sonnenschirme nur noch für kleine Kinder und Senioren erlaubt. Das ärgert viele, hat aber einen ernsten Hintergrund.

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Luftaufnahme des Strandes von Punta Molentis auf der italienischen Insel Sardinien im Jahr 2022.
Luftaufnahme des Strandes von Punta Molentis auf der italienischen Insel Sardinien im Jahr 2022.Larry Malvin / Imago

Türkisblaues Wasser, feiner Sand, Postkartenidylle – und eine Regel, die derzeit halb Italien den Kopf schütteln lässt. Am Strand von Punta Molentis im Süden Sardiniens gelten seit Saisonbeginn strikte Auflagen: Zugang nur mit Reservierung, maximal begrenzte Besucherzahl, zehn Euro Eintritt – und ein Sonnenschirm‑Veto für fast alle.

Nur zwei Gruppen dürfen Sonnenschirme aufstellen

Nur zwei Gruppen dürfen überhaupt Schattenspender installieren: Familien mit Kindern unter zehn Jahren und Senioren ab 65. Alle anderen müssen ohne Schirm auskommen. Pavillons, Zelte oder andere Schattenspender? Ebenfalls tabu. Die Regeln gelten täglich von 8 bis 20.30 Uhr und bleiben bis Ende Oktober in Kraft.

Die Gemeinde Villasimius auf Sardinien begründet die Maßnahmen mit dem Schutz des empfindlichen Küstenabschnitts. Ein verheerender Brand im Juli 2025 hatte rund 100 Hektar Vegetation zerstört, Dutzende Autos beschädigt und fast 200 Menschen mussten per Hubschrauber oder Boot in Sicherheit gebracht werden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte später: Es war Brandstiftung. Nach dem Feuer waren große Teile der Dünen an dem traumhaften Strand kahl, instabil und sehr verletzlich.

Eine Aufnahme von 2021 des malerisch gelegenen Strand Punta Molentis auf der italienischen Insel Sardinien. Man erahnt, wie empfindlich die Natur hier ist.
Eine Aufnahme von 2021 des malerisch gelegenen Strand Punta Molentis auf der italienischen Insel Sardinien. Man erahnt, wie empfindlich die Natur hier ist.DaLiu / Depositphotos / Imago

Sonnenschirm-Verbot um die Strand-Dünen zu schützen

Der Brand hat die Dünen geschwächt. Schon im vergangenen Jahr gab es deshalb strenge Vorgaben, darunter ebenfalls ein Sonnenschirm‑Verbot. Doch viele hielten sich nicht daran. Lokale Umweltschützer kritisierten damals, dass Besucher trotz klarer Regeln Schirme in den Dünen aufstellten und damit die ohnehin geschädigte Vegetation weiter belasteten. Die Gemeinde spricht nun von „außergewöhnlichen Meereswetterereignissen“ und der Notwendigkeit, „die menschlichen Auswirkungen zu begrenzen“.

Spott im Netz: „Muss ich mir einen Opa leihen“

Im Netz jedoch sorgt die neue Saisonregelung für eine Mischung aus Unglauben, Wut und Spott. Nutzer schreiben, dass bei Temperaturen weit über 30 Grad ein Sonnenschutz kein Luxus, sondern überlebenswichtig sei. Andere machen sich über die Altersgrenzen lustig. „Um einen Schirm aufzustellen, muss ich mir ein Kind mieten??“, schreibt jemand auf Facebook. Ein anderer fragt ironisch, ob er „den Opa mitbringen oder bis morgen ein Kind bekommen“ müsse.

Viele Einheimische fragen sich, ob der Strand überhaupt noch ein öffentlicher Ort ist, wenn der Zugang streng limitiert und kostenpflichtig ist. Die zehn Euro Eintritt pro Person treffen vor allem Familien und junge Leute, die ohnehin schon mit steigenden Preisen auf der Insel kämpfen. Für manche wirkt Punta Molentis inzwischen eher wie ein exklusiver Club als wie ein Naturstrand.

Die Behörden betonen, dass die Maßnahmen nicht für immer gelten sollen. Sobald sich die Vegetation stabilisiert habe und die Dünen wieder widerstandsfähiger seien, könne man über Lockerungen sprechen. Doch wann das sein wird, bleibt offen.

Liebe Leser, was meinen Sie? Übertriebene Vorsichtmaßnahme? Oder ist das Sonnenschirm-Verbot richtig, um den Strand und die empfindlichen Dünen zu schützen? Bitte schreiben Sie uns an leser-bk@berlinerverlag.com