Drama in China

Mann überlebt sieben Tage im Meer – Fischer retten ihn im letzten Moment

Er kämpfte gegen Wellen und Sturm, hatte kein Essen und kein Trinkwasser. Nach Sturz von einer Klippe überlebte ein Chinese eine Woche lang im Meer.

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Qin Jianping (39) wird nach seiner Rettung im Krankenhaus interviewt.
Qin Jianping (39) wird nach seiner Rettung im Krankenhaus interviewt.Screenshot

Dass er überlebt hat, gleicht einem Wunder! Der Chinese Qin Jianping war auf der Ferieninsel Haikou ins Meer gestürzt und abgetrieben. Ein Woche lang kämpfte er auf hoher See ums nackte Überleben – bis zwei Fischer den völlig entkräfteten Mann aus dem Wasser zogen.

Beim Abendspaziergang stürzte er ins Meer

Qin Jianping war zum Urlaub auf Haikou. Am späten Abend des 27. Mai bummelte der 39-jährige Geschäftsmann bei windigem Wetter auf der Ufer-Promenade der Ferieninsel. Plötzlich ruschte er aus – auf einer weggeworfenen Obstschale, wie er später erzählt. Er kann sich nirgends halten, stürzt ins stürmische, aufgewühlte Meer. Panisch versucht er, wieder an Land zu kommen. Doch die Wellen treiben ihn immer weiter hinaus.

Eine unglaubliche Odysee beginnt. Sieben Tage und sechs Nächte wird der 39-Jährige  in der Qiongzhou-Straße treiben, der Meerenge zwischen der Insel Hainan und dem chinesischen Festland. Wie konnte er das überleben?

Erst nach 40 Stunden erreicht er eine Boje

„Ich bin zuvor noch nie im Meer geschwommen“, erzählt Qin Jianping nach seiner Rettung der Zeitung China Daily. Er merkt schnell, dass er keine Chance hat, gegen die Strömung anzukämpfen. Also spart er Kraft, zieht Schuhe, Hose und Uhr aus und lässt sich treiben. Sein Handy hatte er bei dem Sturz verloren, er kann keinen Notruf absetzen. An Korallenriffen verletzt er sich, sein Körper ist bald übersät mit Schnittwunden.

„Tagsüber brannte die Sonne auf mich ein, aber das Wasser entzog mir ständig die Körperwärme“, berichtet er später der Daily China. „Nach zwei oder drei Tagen fühlte sich das Meer so kalt an wie ein Kühlschrank.“ Erst nach mehr als 40 Stunden erreicht er eine Boje. Qin schafft es, sich hinaufzuziehen – ein kurzer Moment der Erholung. Doch eine starke Welle schleudert ihn wieder zurück ins Meer. Er treibt weiter, inzwischen völlig entkräftet. 

Am fünften Tag erreicht er eine weitere Boje. Diesmal fehlt ihm die Kraft, hinaufzuklettern. Er klammert sich nur noch fest. Um nicht zu verhungern, isst er kleine Krebse, die sich an der Boje befinden. Den Durst bekämpft er mit Meerwasser und seinem eigenen Urin.

Vorbeiziehende Schiffe bemerken ihn nicht

Qin sieht Kreuzfahrtschiffe vorbeiziehen, doch keines bemerkt den im Wasser treibenden Mann. Seine Kräfte schwinden, er ist dehydriert und beginnt zu halluzinieren. Er glaubt Stimmen zu hören. „Ich träumte, in meiner Heimatstadt fand eine Hochzeit statt und ich half beim Kochen“, erzählt er nach seiner Rettung. „Ich konnte kaum atmen, aber ich hatte nur einen Gedanken im Kopf: Ich kann nicht sterben.“

Die Fischer, die ihn retteten, und Dorfbewohner bringen Qin Jianping an Land.
Die Fischer, die ihn retteten, und Dorfbewohner bringen Qin Jianping an Land.Wu Maohui / Imago

Am Morgen des 2. Juni – sieben Tage nach seinem Sturz – entdecken zwei Fischer den völlig erschöpften und halluzinierenden Qin. Er habe nichts mehr sehen können, sagte Fischer Zheng Shizhong im Lokalfernsehsender Hainans. Sie hätten ihm eine lange Stange gereicht und ihn ins Boot gezogen. „Er wusste gewiss, dass ihn jemand rettet“, sagte Zheng. Qin erzählte später, er habe gedacht, dass er den Griff einer Restaurant-Tür in den Händen gehalten habe.

China feiert das Überlebens-Wunder

An Land wurde Qin Berichten zufolge zunächst auf der Intensivstation des Krankenhauses im Kreis Chengmai versorgt. Im Fernsehen sprach Arzt Chen Boyi von infizierten Wunden und starker Dehydration bei Qin. Drei Tage später konnte Qin auf eine reguläre Station verlegt werden.

Qin Jianping nach seiner REttung im Krankenhaus in der Provinz Hainan.
Qin Jianping nach seiner REttung im Krankenhaus in der Provinz Hainan.Wu Maohui /Imago

Chinesische Medien sprechen von einem medizinischen Wunder. Experten betonen, wie außergewöhnlich es sei, sieben Tage ohne Süßwasser im Meer zu überleben. Die Behörden warnen gleichzeitig vor den Gefahren der Küstenpromenaden bei schlechtem Wetter.