Leichen-Schau

„Körperwelten“-Erfinder Gunther von Hagens ist tot

Er machte die „Körperwelten“ weltberühmt und polarisierte wie kaum ein anderer Mediziner: Gunther von Hagens ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Erfinder der Plastination litt seit Jahren an Parkinson.

Author - Kay Schöphörster
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Plastinator Gunther von Hagens steht in seinem „Körperwelten Museum“ neben einem Exponat.
Plastinator Gunther von Hagens steht in seinem „Körperwelten Museum“ neben einem Exponat.Christoph Schmidt/dpa

Er machte Tote zu Lehrmeistern der Anatomie – und löste damit weltweit Diskussionen aus. Nun ist Gunther von Hagens gestorben. Der Mediziner und Erfinder der sogenannten Plastination wurde 81 Jahre alt.

Von Hagens litt bereits seit vielen Jahren an Parkinson. Berühmt wurde er durch seine „Körperwelten“-Ausstellungen, die Millionen Menschen auf der ganzen Welt anzogen. Dort zeigte er konservierte menschliche Körper und Organe, um Einblicke in die Anatomie des Menschen zu geben.

Geboren wurde von Hagens 1945 bei Posen (heute Poznan in Polen) unter dem Namen Gunther Liebchen. Seinen später bekannten Nachnamen übernahm er von seiner ersten Ehefrau. 1965 begann er in Jena ein Medizinstudium. In der DDR geriet er jedoch in politische Gefangenschaft und wurde später von der Bundesrepublik freigekauft. Anschließend setzte er seine Laufbahn fort und promovierte an der Universität Heidelberg.

Dort entwickelte er in den 1970er Jahren die Plastination – ein Verfahren, bei dem Körpergewebe konserviert und zu anatomischen Präparaten verarbeitet wird. Aus dieser Arbeit entstand später das Institut für Plastination, das von Hagens in den 1990er Jahren gründete.

„Körperwelten“ machten ihn weltweit bekannt

Seine Ausstellungen machten ihn weltweit bekannt, brachten ihm aber auch heftige Kritik ein. Gegner warfen dem Leichenpräparator vor, mit der Präsentation menschlicher Körper die Menschenwürde zu verletzen. Trotz der Kontroversen fanden die Ausstellungen ein großes Publikum.

Ein wichtiger Standort seiner Arbeit befindet sich in Guben in Brandenburg. Dort gründete von Hagens 2006 die Gubener Plastinate GmbH. Geschäftsführer ist sein Sohn Rurik von Hagens. In der Werkstatt entstehen Präparate von Körperspendern sowie Tierplastinate. Besucher können den Herstellungsprozess in einer gläsernen Werkstatt verfolgen.

Die menschlichen Plastinate stammen von Menschen, die zu Lebzeiten einer Körperspende zugestimmt haben. Nach Angaben des Instituts für Plastination waren 2017 rund 16.680 Menschen im Körperspenderprogramm registriert. Die weltweite Konzeption der „Körperwelten“-Ausstellungen betreut seine zweite Ehefrau Angelina Whalley.

Auch in Berlin sorgte von Hagens für Schlagzeilen. 2015 eröffnete am Alexanderplatz ein Museum mit Plastinaten. Der Bezirk Mitte wollte die Ausstellung zunächst verhindern. Die Begründung: Die konservierten Körper seien weiterhin als Leichen anzusehen und müssten bestattet werden. Erst nach mehreren Gerichtsurteilen wurde die Schau angepasst und konnte fortgeführt werden.

Mit Gunther von Hagens verliert die Medizin einen ebenso innovativen wie umstrittenen Pionier. Seine Leichen-Schau machte ihn weltweit bekannt – und blieb bis zuletzt Gegenstand gesellschaftlicher Debatten. Wird Gunther von Hagens jetzt als Plastinat selbst Teil seiner Ausstellung?

Was halten Sie von der Plastinaten-Ausstellung? Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com