Er ist der wohl witzigste Kleingärtner der Republik – und hat im Netz Hunderttausende Fans: Michael Baumann aus Leipzig ist nicht nur Vorsitzender eines Kleingartenvereins, sondern seit einiger Zeit auch als der Kleingartensheriff berühmt. Er geht durch die Kleingartenanlage und überwacht die Einhaltung der Regeln. Heckenhöhe, saubere Wege, Gemüseanbau: Nichts ist vor dem Kleingartensheriff sicher – und wer nicht aufpasst, wird mit Sprüchen wie „Da platzt mir dor Orsch“ oder „Isch gloobe, mein Hamster bohnert“ ermahnt. Im KURIER verrät der Sheriff, welche Dinge ihn an Gärtnern am meisten stören.
Kleingartensheriff aus Leipzig wurde zum Ost-Star
Seine Videos gibt es noch nicht lange – doch schon jetzt ist der Kleingartensheriff aus Leipzig Kult! Im Netz ist in kurzen Clips zu sehen, wie er sich über die richtige Heckenhöhe der Gärtner in seiner Kleingartenanlage Gartenfreunde Südost in Leipzig aufregt – aber auch über nervige Efeu-Ranken und Hochbeete, die ihn eher an Sarg-Ausstellungen erinnern.
Doch was auf Instagram und Co. lustig erscheint, hat einen ernsten Hintergrund: Michael Baumann – so heißt der Kleingartensheriff mit bürgerlichem Namen – wollte seine Kleingartenanlage mit der Einhaltung aller Regeln zur schönsten in Leipzig machen. Ein Wunsch, der ihm schon 2021 erfüllt wurde. Aber: Was nervt den Kleingartensheriff am meisten? „Ich habe drei Grundregeln, auf die ich besonders aufpasse“, sagte er dem KURIER. „Die Ein-Drittel-Regel, die Heckenhöhe und die Sauberkeit vor dem Garten und im Garten.“

Die Ein-Drittel-Regel besagt, dass auf einer Fläche von einem Drittel des Gartens Obst und Gemüse angebaut werden müssen. „Wenn einer mehr macht, ist es auch gut. Bei älteren Leuten sind wir auch mal etwas großzügiger.“
Ob die Regel eingehalten wird, überwacht er mit Augenmaß, sagt er – manchmal komme aber auch der Zollstock zum Einsatz. Das Problem: „Wir wollen nicht unsere Gemeinnützigkeit verlieren. Aber wenn wir nur Blumen pflanzen und damit zum Erholungsgarten werden, passiert das ganz schnell.“ Ohne Gemeinnützigkeit wäre die Anlage nicht mehr vor dem Kleingartengesetz geschützt, höhere Pachten wären möglich.
Cannabis hat im Kleingarten nichts zu suchen
Was angebaut wird, ist eigentlich egal, nur bei einer Sache passt der Sheriff ganz genau auf: „Cannabis geht gar nicht“, sagt der 63-Jährige. Auch wenn die Droge legalisiert wurde, ist der Anbau im Kleingarten auch für den Eigenbedarf verboten.
„Wir hatten schon Fälle, da haben Leute das im Kleingarten angebaut“, sagt Kleingartensheriff Michael Baumann. „Im Garten ist es deshalb verboten, weil es für jedermann zugänglich ist. Jedes Kind kann eigentlich über den Zaun klettern.“
Die zweite Regel ist vermutlich das größte Thema des Kleingartensheriffs: die Heckenhöhe! Damit wurde er berühmt – und mit seiner Prüfmethode: Michael Baumann bastelte sich einen Winkel aus Holzlatten, mit dem er die Einhaltung der korrekten Höhe prüfen kann. Die Leiste entstand eigentlich nur, weil er nicht jedes Mal den Zollstock ausklappen wollte, sagt er.
Die Einhaltung der Höhe von 1,50 Meter ist Baumann wichtig. Dass Gärtner sich abschotten wollen, lässt er nicht zu. „Die Leute sagen mir: Wenn die Hecke im Frühjahr anfängt zu treiben, schneide ich die Triebe ab. Da sage ich: Nee, schneide sie auf 1,30 Meter runter, bevor sie austreibt.“
Es geht also nicht nur um die Höhe, sondern auch um die Optik im schönsten Garten von Leipzig. „Manchen sage ich: Deine Hecke sieht furchtbar aus. Schneide die mal um einen Meter runter. Die dankt dir das.“
Gärtner sollen einfach mal den Besen in die Hand nehmen
Regel Nummer drei ist die Sauberkeit im und vor dem Garten – auch etwas, was den Kleingartensheriff aufregt. „Manchen Leuten sage ich: Nimm mal einen Besen in die Hand und kehre ma!“, sagt er dem KURIER. Nicht nur Dreck nervt, auch Unkraut.

„Die meisten Gartengrundstücke sind bis zur Wegmitte davor zu pflegen. Es darf auch nicht zuwachsen.“ Bei neuen Bewerbern in seiner Kleingartenanlage fragt er deshalb immer zuerst, wie oft der jeweilige Bewerber Zeit im Garten verbringen will. „Wenn der dann sagt, einmal im Monat, dann sage ich: Gugge ma, da vorne hat der Zimmermann das Loch gelassen.“



