Frankreich

Mit Schulbüchern von früher: 9-Jährige macht bereits ihre Abschlussprüfung

In Frankreich ist ein 9-Jähriges Mädchen zur Prüfung angetreten. Ihr Vater bereitete sie mit Mathe- und Französischbüchern aus den 1950ern vor.

Author - Tobias Esters
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Lernen am Schreibtisch: Schon mit neun Jahren legte ein Mädchen in Frankreich die Abschlussprüfung ab. (Symbolfoto)
Lernen am Schreibtisch: Schon mit neun Jahren legte ein Mädchen in Frankreich die Abschlussprüfung ab. (Symbolfoto)freepik/Magnific

Kein Tablet, keine moderne Lern-App, kein aktueller Lehrplan – sondern vergilbte Schulbücher aus den 1950er-Jahren. Mit dieser ungewöhnlichen Methode hat ein französischer Vater seine Tochter auf die Abschlussprüfung vorbereitet. Und diese Tochter ist gerade einmal neun Jahre alt.

Abschluss mit neun statt mit 15

Agnès aus Savoyen hat in dieser Woche das „Brevet des collèges" abgelegt, den ersten offiziellen Schulabschluss in Frankreich, ganze fünf bis sechs Jahre früher als ihre Mitschüler. Das berichtet die Zeitung „Le Dauphiné". Damit ist sie wohl eine der jüngsten Kandidatinnen, die das Land je gesehen hat.

Hinter dem frühen Prüfungstermin steht eine klare Haltung des Vaters. Nicolas Baldeck unterrichtete seine Tochter zu Hause und setzte dabei bewusst auf Mathematik- und Französischbücher aus den 1950er-Jahren. Sein Vorwurf: Das heutige Schulsystem fordere zu wenig und unterschätze, wozu Kinder in Wahrheit fähig seien. Für ihn ist der Schritt darum mehr als eine Lernmethode – es ist ein Stück Protest gegen die Lehrpläne von heute.

Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Klar ist: Seine Tochter hat sich die Prüfung offensichtlich zugetraut – und das mit bemerkenswerter Gelassenheit.

Denn abgelegt hat Agnès das Brevet als freie Kandidatin am Collège Garibaldi in Aix-les-Bains – umringt von Jugendlichen, die ihr Jahre voraus und teils 40 Zentimeter größer waren. Aus der Ruhe brachte sie das nicht. „Das war ein bisschen seltsam, aber beim Eiskunstlauf war ich es schon gewohnt, gegen die Größeren anzutreten", zitiert die Zeitung „Le Dauphiné" das Mädchen. Ihre Ziele steckte sie selbstbewusst ab: Eine Bestnote von 18 von 20 Punkten in Mathe und Englisch.

Nicht nur ein Kopf für Bücher

Wer jetzt an ein Kind denkt, das nur über Büchern sitzt, liegt falsch. Agnès spricht fließend Englisch und Russisch, tanzt, macht Musik und spielt Tennis. Später möchte sie einmal im Design arbeiten. Und für den Geschichtsunterricht ließ sie sich sogar Lieder vorspielen, die mithilfe künstlicher Intelligenz komponiert wurden. Schulbücher von früher und modernste Technik gehen bei ihr also Hand in Hand.

Ob ihr früher Anlauf tatsächlich von Erfolg gekrönt ist, weiß Agnès selbst noch nicht: Die offiziellen Ergebnisse gibt die zuständige Schulbehörde erst am 10. Juli bekannt. Bis dahin lässt es das Mädchen entspannt angehen. Mit einem Augenzwinkern verkündete sie schon mal: „Heute Abend bin ich für sechs Jahre in den Ferien!"

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