Ein junger Erntehelfer verliert bei der Arbeit auf einem Feld in Italien den rechten Arm, wird an den Beinen schwer verletzt. Doch anstatt sofort Hilfe zu holen oder den Verletzten ins Krankenhaus zu bringen, fährt ihn sein Chef nach Hause – und lässt ihn einfach liegen. In einer Obstkiste neben ihm der abgetrennte Arm.
Zwei Jahre später hat die italienische Justiz nun ein Urteil gefällt. Ein Gericht in Latina sprach den Landwirt wegen der Tötung des Erntehelfers schuldig und verhängte 16 Jahre Haft.
Der junge Inder hoffte auf ein besseres Leben

Satnam Singh wurde nur 31 Jahre alt. Er war aus Indien nach Italien gekommen, um mit seiner Frau auf den Feldern der Provinz Latina zu arbeiten. Wie viele andere Migranten hoffte er auf ein besseres Leben.
Der Unfall ereignete sich im Juni 2024 nahe Borgo Santa Maria, rund 60 Kilometer südlich von Rom. Singh geriet in eine Maschine, die Felder großflächig mit Plastikfolie überzieht. Sein rechter Arm wurde abgetrennt, die Beine zerquetscht.
Sein Arbeitgeber Antonello Lovato holte jedoch keinen Rettungsdienst. Stattdessen brachte er den Schwerverletzten lediglich zu seiner Unterkunft. Nachbarn alarmierten später den Notruf. Singh wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Rom geflogen, starb jedoch anderthalb Tage später an den Folgen seiner Verletzungen.
Seine Frau flehte den Bauern an, zu helfen
Besonders bewegend sind die Aussagen seiner Ehefrau. Sie schilderte den Ermittlern, sie habe den Bauern inständig gebeten, Hilfe zu holen. „Ich habe den Besitzer angefleht, uns zu helfen, ich habe ihn auf Knien angefleht“, sagte sie. Doch der Mann habe sie vor dem Haus abgesetzt und sei davongefahren.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft starb Singh an massivem Blutverlust. Ein rechtsmedizinisches Gutachten kam zu dem Schluss, dass der 31-Jährige bei schneller medizinischer Versorgung sehr wahrscheinlich hätte gerettet werden können. Genau dieser Umstand spielte im Prozess eine zentrale Rolle.



