Arm abgetrennt

Bauer ließ jungen Erntehelfer verbluten – jetzt fiel das Urteil

Das Schicksal von Satnam Singh führte zu Protesten in Italien. Nach einem schweren Arbeitsunfall holte sein Chef keine Hilfe für den jungen Inder. Der 31-Jährige starb. Jetzt fiel das Urteil.

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Protest nach dem Tod des Erntehelfers Satnam Singh in Latina in Italien, ein Demonstrant zeigt ein Foto des jungen Inders.
Protest nach dem Tod des Erntehelfers Satnam Singh in Latina in Italien, ein Demonstrant zeigt ein Foto des jungen Inders.Riccardo De Luca/Imago

Ein junger Erntehelfer verliert bei der Arbeit auf einem Feld in Italien den rechten Arm, wird an den Beinen schwer verletzt. Doch anstatt sofort Hilfe zu holen oder den Verletzten ins Krankenhaus zu bringen, fährt ihn sein Chef nach Hause – und lässt ihn einfach liegen. In einer Obstkiste neben ihm der abgetrennte Arm.

Zwei Jahre später hat die italienische Justiz nun ein Urteil gefällt. Ein Gericht in Latina sprach den Landwirt wegen der Tötung des Erntehelfers schuldig und verhängte 16 Jahre Haft.

Der junge Inder hoffte auf ein besseres Leben

Satnam Singh, Erntehelfer aus Indien, wurde nur 31 Jahre alt.
Satnam Singh, Erntehelfer aus Indien, wurde nur 31 Jahre alt.Roberto Silvino/IMAGO

Satnam Singh wurde nur 31 Jahre alt. Er war aus Indien nach Italien gekommen, um mit seiner Frau auf den Feldern der Provinz Latina zu arbeiten. Wie viele andere Migranten hoffte er auf ein besseres Leben.

Der Unfall ereignete sich im Juni 2024 nahe Borgo Santa Maria, rund 60 Kilometer südlich von Rom. Singh geriet in eine Maschine, die Felder großflächig mit Plastikfolie überzieht. Sein rechter Arm wurde abgetrennt, die Beine zerquetscht.

Sein Arbeitgeber Antonello Lovato holte jedoch keinen Rettungsdienst. Stattdessen brachte er den Schwerverletzten lediglich zu seiner Unterkunft. Nachbarn alarmierten später den Notruf. Singh wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Rom geflogen, starb jedoch anderthalb Tage später an den Folgen seiner Verletzungen.

Seine Frau flehte den Bauern an, zu helfen

Besonders bewegend sind die Aussagen seiner Ehefrau. Sie schilderte den Ermittlern, sie habe den Bauern inständig gebeten, Hilfe zu holen. „Ich habe den Besitzer angefleht, uns zu helfen, ich habe ihn auf Knien angefleht“, sagte sie. Doch der Mann habe sie vor dem Haus abgesetzt und sei davongefahren. 

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft starb Singh an massivem Blutverlust. Ein rechtsmedizinisches Gutachten kam zu dem Schluss, dass der 31-Jährige bei schneller medizinischer Versorgung sehr wahrscheinlich hätte gerettet werden können. Genau dieser Umstand spielte im Prozess eine zentrale Rolle.

Die Eltern des verstorbenen Erntehelfers Satnam Singh bei einer offiziellen Gedenkveranstaltung in Latina in Italien
Die Eltern des verstorbenen Erntehelfers Satnam Singh bei einer offiziellen Gedenkveranstaltung in Latina in ItalienRoberto Silvino/IMAGO

Schicksal von Satnam Singh löste Proteste aus

Der Fall löste in Italien landesweite Proteste aus. Tausende Landarbeiter, viele von ihnen aus Indien, gingen auf die Straße. Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen machten auf die oft schwierigen Arbeitsbedingungen von Migranten in der Landwirtschaft aufmerksam. 

In der italienischen Landwirtschaft arbeiten nach Schätzungen rund 230.000 Menschen illegal, viele davon für Stundenlöhne von nur drei oder vier Euro. Gewerkschaften sprechen seit Jahren von systematischer Ausbeutung.

Mit dem Urteil gegen den Landwirt Antonello Lovato hat einer der aufsehenerregendsten arbeitsrechtlichen Arbeitsunfälle der vergangenen Jahre in Italien nun vorerst ein juristisches Ende gefunden. Die Staatsanwaltschaft hatte 22 Jahre Haft gefordert. Gegen die Entscheidung des Gerichts in Latina können noch Rechtsmittel eingelegt werden.