Desinfektionsmittel ist nur zur äußeren Anwendung gedacht. Foto: Imago-Images/Marc Gruber

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben Fehlinformationen und Gerüchte in Verbindung mit dem Virus weltweit Hunderte Menschen das Leben gekostet. Tausende weitere mussten im Krankenhaus behandelt werden, ergab eine im „American Journal of Tropical Medicine and Hygiene“ veröffentlichte Studie. Neben der Pandemie gebe es auch eine „Infodemie“, warnen die beteiligten Wissenschaftler unter anderem aus Australien, Thailand und Japan. 

Viele der überwiegend in sozialen Netzwerken verbreiteten falschen Behauptungen zur Bekämpfung des Coronavirus seien gefährlich und teilweise lebensbedrohlich, stellten die Forscher fest: „Gerüchte können sich als glaubwürdige Strategien zur Infektionsprävention tarnen.“ Dabei könnten sie „potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gemeinschaft haben, wenn sie evidenzbasierten Richtlinien vorgezogen werden“.

Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in unserem Coronavirus-Newsblog >>

So kostete der Konsum von hochkonzentriertem Alkohol zur Desinfizierung des Körpers weltweit 800 Menschen das Leben. Mehr als 5800 landeten nach dem Verzehr von Methanol im Krankenhaus, 60 erblindeten. Das Trinken von Desinfektionsmitteln habe für zwei gesunde Männer in Katar lebensgefährliche Folgen gehabt.

In Indien nahmen zwölf Menschen einen Drink aus hochgiftigen Stechäpfeln zu sich. Sie hatten in sozialen Netzwerken ein Video gesehen, in dem die Pflanzen zur Immunisierung gegen Sars-CoV-2 beworben wurden. Alle wurden krank. In Saudi-Arabien wurde Kamelurin mit Limone als Wunderwaffe gegen Covid-19 angepriesen. Die Daten stammen aus dem Zeitraum von Dezember 2019 bis April 2020 – also bevor US-Präsident Donald Trump darüber sinnierte, Menschen Desinfektionsmittel zu spritzen.

Lesen Sie auch: Wegen Fake-News über Corona: Twitter und Facebook legen Trump an die Leine >>

Corona trug auch zur Stigmatisierung bei

Die Forscher untersuchten auch mögliche Folgen von Stigmatisierung. So habe sich ein Mann in Indien das Leben genommen, weil er glaubte, mit Corona infiziert zu sein. Seine Familie sagte, er habe die mögliche Erkrankung als Schande empfunden und Angst vor der Reaktion seiner Mitmenschen gehabt. Auch sei es seit Beginn der Pandemie vielerorts zu verbaler und physischer Gewalt gegenüber Menschen asiatischer Herkunft und Mitarbeitern des Gesundheitssystems gekommen, weil beide Gruppen für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht wurden.

Die Wissenschaftler forderten Regierungen und internationale Organisationen auf, Corona-Fehlinformationen im Internet besser zu überwachen, diese als falsch zu entlarven. Von mehr als 2300 untersuchten Berichten aus 87 Ländern hätten sich 82 Prozent als falsch herausgestellt, so die Studie. Die meisten davon grassierten in Indien, den USA, China und Spanien.