ZDF-Gate

Nach knallharter Bürgergeld-Doku gefeuert: Jetzt wehrt sich der Jobcenter-Mitarbeiter

Trotz der regen Kritik hält Fred Göcken an seinen Aussagen in der Doku „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“ fest.

Author - Sharone Treskow
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Fred Göcken arbeitete mehr als 20 Jahre für das Bremer Jobcenter, dann wurde der 60-Jährige wegen eines TV-Beitrags gefeuert. Jetzt spricht er erstmals über seine Kündigung.
Fred Göcken arbeitete mehr als 20 Jahre für das Bremer Jobcenter, dann wurde der 60-Jährige wegen eines TV-Beitrags gefeuert. Jetzt spricht er erstmals über seine Kündigung.Focke Strangmann/Weser Kurier/dpa

Die Dokumentation „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“ hat hohe Wellen geschlagen. Gegen das ZDF wurde eine offizielle Programmbeschwerde eingereicht und ein Protagonist, der langjährige Jobcenter-Mitarbeiter Fred Göcken, wurde sogar gefeuert. Doch der 60-Jährige steht nach wie vor zu seinen Aussagen in der Doku. Die fristlose Kündigung durch die Agentur für Arbeit sieht er als ungerechtfertigt an.

Fred Göcken bleibt bei seiner Wahrheit

Fred Göcken schildert in der Doku seine Sicht auf strukturellen Missbrauch beim Bürgergeld: Ein erheblicher Teil der Empfänger mache seinen Erfahrungen nach unzutreffende Angaben, wodurch staatliche Leistungen zu großzügig ausgezahlt würden. Als Beispiel nennt er Fälle, in denen kostenintensive Förderungen wie Führerschein und Auto bewilligt werden, damit jemand eine Arbeit aufnehmen kann – die Beschäftigung aber oft nur kurz hält oder bewusst beendet wird, während die geförderten Leistungen behalten werden.

Zugleich kritisiert Göcken die Praxis im Jobcenter: Sanktionen gegen unkooperative Empfänger seien zwar möglich, würden aber kaum umgesetzt, weil die zuständigen Abteilungen überlastet seien und Vermittler selbst zu viele Fälle betreuen müssten. Der Fokus liege deshalb in der täglichen Arbeit eher auf denjenigen, die tatsächlich mitwirken wollen, während problematische Fälle häufig liegen bleiben.

Fred Göcken berichtet in der umstrittenen Doku von seinen Erfahrung bezüglich Bürgergeld-Empfängern. Der 60-Jährige bleibt dabei: Er war nur ehrlich.
Fred Göcken berichtet in der umstrittenen Doku von seinen Erfahrung bezüglich Bürgergeld-Empfängern. Der 60-Jährige bleibt dabei: Er war nur ehrlich.ZDF/Screenshot Berliner KURIER

Wie landete er eigentlich in Sarah Tackes Doku? Tatsächlich ist der 60-Jährige mit einem Redebedürfnis selbst auf die Journalistin zugegangen: „Ich habe gedacht: Wenn niemand was von uns sagt, dann kann man auch nicht auf die ganze Wahrheit kommen. Deswegen habe ich ihr geschrieben: ‚Sie sind auf dem richtigen Weg, nah dran. Aber vielleicht melden Sie sich mal, dann kann man es etwas präzisieren, woran es wirklich hapert‘“, erzählt er im Bild-Podcast Ronzheimer.

Vom Jobcenter gefeuert: Göcken findet Kündigung unrechtmäßig

Dass er dafür gekündigt wurde, kann Göcken nicht nachvollziehen. „Ich denke, ich spreche da Missstände an. Also, das ist eigentlich ein SOS-Funk von mir gewesen. Ich wollte ja damit nur darauf aufmerksam machen, dass es erhebliche Missstände in der Struktur des Jobcenters gibt, in der Vermittlung in Arbeit und letzten Endes dann auch im Verbund mit der Frage nach der Integration“, argumentiert der 60-Jährige.

Göcken erklärt, wie seine Zahlen zustande kamen

Auch von der Bremer Landesregierung wurde Göcken unter anderem kritisiert. Die SPD-Arbeitssenatorin Claudia Schilling warf dem 60-Jährigen vor, seine Aussage – laut der 30 bis 40 Prozent der Leistungsbeziehenden Sozialleistungen missbräuchlich beziehen – sei sachlich falsch.

Dazu erklärt Göcken jetzt: Er habe hier von allen Bürgergeld-Empfängern gesprochen, die arbeitsfähig seien oder aufstockten. Von all diesen Menschen würden 30 bis 40 Prozent keine wahren Angaben machen, um sich Vorteile im Bürgergeld-System zu verschaffen.

Claudia Schilling, die Bremer Senatorin für Arbeit, hatte Göcken kritisiert.
Claudia Schilling, die Bremer Senatorin für Arbeit, hatte Göcken kritisiert.Eckhard Stengel / Imago

„Wenn Sie unsere Arbeitsebene befragen würden, dann würden sie [...] die Bestätigung bekommen, dass das alles richtig ist. Niemand hat was dagegen. Die Zahlen können sogar höher sein“, betont Göcken und hält damit an seinen Vorwürfen fest.

Was glauben Sie: Wurde Göcken gekündigt, weil er das Jobcenter nicht über seinen TV-Auftritt informiert hat – oder wegen des Inhalts seiner Aussagen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.