Trauer in der Film-Welt. Der bekannte ungarische Filmemacher Béla Tarr ist im Alter von 70 Jahren nach langem und schwerem Leiden gestorben. Das berichtete die ungarische Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Familie. Tarr ist einer der bekanntesten Regisseure des europäischen Autorenkinos und eng verbunden mit Berlin und der Berlinale.
Film-Welt trauert um Béla Tarr
„Die Europäische Filmakademie trauert um einen herausragenden Regisseur und eine Persönlichkeit mit starker politischer Stimme, der nicht nur von seinen Kollegen hoch geschätzt, sondern auch vom Publikum weltweit gefeiert wurde“, hieß es in einer Stellungnahme der Akademie. Seine Filme wurden oft als einnehmend und philosophisch beschrieben, mit minutenlangen, sorgsam choreografierten Einstellungen ohne Schnitt.

Tarr erhielt 2023 beim Europäischen Filmpreis einen Ehrenpreis. 2011 gewann er bei der Berlinale den Großen Preis der Jury für seinen letzten Spielfilm, „Das Turiner Pferd“. Wie er danach mehrfach erklärte, habe er „alles gesagt“, was er mit dem Kino ausdrücken wollte.
Die Berlinale öffnete Béla Tarr die Türen
Doch Béla Tarrs Geschichte mit der Berlinale geht noch viel weiter zurück. Sein bekanntester Film „Sátántangó“ (der mehr als sieben Stunden dauert!) wurde vor 30 Jahren im Delphi-Kino gezeigt. Experte Alf Bold sagte damals zu Erika Gregor, die „Sátántangó“ mit ihrem Mann nach Berlin geholt hatte: „Mit diesem Film kommst du in die Filmgeschichte.“ Die Aufführung öffnete Tarr Türen in den Vereinigten Staaten, Essayistin Susan Sontag brachte „Sátántangó“ nach New York und verhalf Béla Tarr so zu einer internationalen Karriere. Seitdem war er immer wieder gern gesehener Stammgast auf der Berlinale – bis zum Schluss.
In diesem Jahr findet die 76. Berlinale vom 12. bis 22. Februar statt, das Programm dafür wird am 3. Februar veröffentlicht. (mit dpa)


