Peinliche Militär-Panne

500-Millionen-Kriegsschiff mit einem Fünf-Euro-Tracker geortet

Ein Bluetooth-Tracker in einer Grußkarte hat die Position der niederländischen Fregatte Evertsen im Mittelmeer enthüllt. Wie konnte das passieren?

Author - Tobias Esters
Teilen
Ein Schiff der niederländischen Marine im Hafen – ein Fünf-Euro-Tracker reichte, um die Fregatte Evertsen im Mittelmeer zu orten.
Ein Schiff der niederländischen Marine im Hafen – ein Fünf-Euro-Tracker reichte, um die Fregatte Evertsen im Mittelmeer zu orten.Mischa Keijser/IMAGO

Fünf Euro. Mehr hat es nicht gebraucht, um eines der teuersten Schiffe der niederländischen Marine bloßzustellen. Ein winziger Bluetooth-Tracker, so klein, dass er locker in eine Grußkarte passt, hat die geheime Position der Fregatte Evertsen im Mittelmeer enthüllt. Das Schiff ist 500 Millionen Euro wert. Der Sender, der es verriet, kostet weniger als ein Döner.

Bluetooth-Tracker auf Kriegsschiff: So einfach geht das

Dabei war es kein feindlicher Geheimdienst, der die Lücke ausnutzte. Es waren Journalisten. Der niederländische Regionalsender Omroep Gelderland wollte beweisen, was viele ahnten: dass das Militär an manchen Stellen erschreckend verwundbar ist.

Und sie haben es bewiesen. Der Tracker landete ganz legal an Bord, versteckt in einer Karte, die normal über die Militärpost lief. Pakete werden geröntgt. Postkarten nicht. Diese eine Lücke hat gereicht.

Der Sender übermittelte brav seinen Weg vom Marinehafen (wo er per Post abgeschickt wurde) in Den Helder über den Flughafen Eindhoven bis nach Kreta. Webcams vor Ort bestätigten: Da liegt die Evertsen. Selbst nach dem Auslaufen sendete das Gerät noch 24 Stunden lang. Erst beim Postsortieren an Bord fiel es jemandem auf.

Per Smartphone lässt sich ein Bluetooth-Tracker in Echtzeit orten – genau das nutzten Journalisten, um ein Kriegsschiff zu verfolgen. (Symbolfoto)
Per Smartphone lässt sich ein Bluetooth-Tracker in Echtzeit orten – genau das nutzten Journalisten, um ein Kriegsschiff zu verfolgen. (Symbolfoto)hadrian - ifeelstock/imago

Das Verteidigungsministerium gab sich hinterher gegenüber dem Sender Omroep Gelderland entspannt. Das Schiff habe sich zu dem Zeitpunkt ohnehin nahe eines sicheren Hafens befunden, das Risiko sei gering gewesen. Aber die eigentliche Frage bleibt: Was wäre gewesen, wenn nicht neugierige Journalisten den Tracker geschmuggelt hätten, sondern jemand mit ganz anderen Absichten?

Handys als Sicherheitsrisiko

Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass der Tracker überhaupt nur funktionierte, weil die Besatzungsmitglieder ihre privaten Smartphones an Bord hatten. Ohne diese Handys hätte der Sender keine Signale weitergeleitet. Das eigentliche Problem ist also nicht die Grußkarte, sondern eine Entwicklung, die Streitkräfte weltweit vor ein grundsätzliches Dilemma stellt: Wie viel Alltags-Technologie darf an Bord? Schon 2018 musste die niederländische Armee Fitness-Apps verbieten, nachdem solche Apps die Patrouillenwege niederländischer Soldaten in Mali offengelegt hatten.

Die Konsequenz kam schnell. Grußkarten mit eingebauten Batterien sind für Militärangehörige ab sofort verboten. Klingt absurd.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com