Leipzig

Nach Amokfahrt in Leipzig: Das ist über den Tatverdächtigen bekannt

Der 33-jährige Deutsche soll heute einem Haftrichter vorgeführt werden – während die Ermittler sein Profil zusammensetzen.

Author - Tobias Esters
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Passanten kümmern sich nach der Amokfahrt in Leipzig um Verletzte auf der Straße – zwei Menschen überlebten die Tat nicht.
Passanten kümmern sich nach der Amokfahrt in Leipzig um Verletzte auf der Straße – zwei Menschen überlebten die Tat nicht.EHL Media/IMAGO

Es war ein ganz normaler Montagnachmittag in der Leipziger Innenstadt. Menschen schlenderten durch die Grimmaische Straße, gingen entspannt einkaufen. Gegen 16.45 Uhr bog plötzlich ein Auto vom Augustusplatz in die Fußgängerzone ein und raste auf die Menschen zu. Was folgte, erschütterte die Stadt.

So soll die Tat abgelaufen sein

Ein 33-jähriger Deutscher soll mit einem VW Taigo vom Augustusplatz kommend durch die Grimmaische Straße in Richtung Markt gefahren sein und dabei mehrere Personen erfasst haben. Augenzeugen berichteten der BILD-Zeitung, das Fahrzeug sei mit 80 bis 100 Stundenkilometern durch die Fußgängerzone gerast. Erst an einer Polleranlage auf dem Markt kam der Wagen zum Stehen. Der Tatverdächtige ließ sich widerstandslos festnehmen. Er sei in Deutschland geboren und im Raum Leipzig wohnhaft, teilte die Polizei mit.

Zwei Menschen überlebten die Fahrt nicht: eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann, beide deutsche Staatsbürger. Drei weitere Personen wurden schwer verletzt. Insgesamt seien laut Polizei rund 80 Menschen von dem Vorfall betroffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen sowie versuchten Mordes in mindestens zwei weiteren Fällen.

Blumen am Tatort in Leipzig – die Stadt trauert um die zwei Todesopfer der Amokfahrt vom 4. Mai 2026.
Blumen am Tatort in Leipzig – die Stadt trauert um die zwei Todesopfer der Amokfahrt vom 4. Mai 2026.Hendrik Schmidt/dpa

Eine Zeugin schilderte der Leipziger Zeitung, wie sie das Ende der Fahrt erlebte: Sie hörte zunächst ein lautes Heulen, wie bei einer Autorallye, bevor sie das beigefarbene Fahrzeug vor sich sah – auf dessen Motorhaube eine Frau lag.

Nach ihrer Beobachtung sollen daraufhin etwa fünf oder sechs junge Männer aus dem Park vor der Thomaskirche gestürmt sein und das Fahrzeug umstellt haben, was dem Tatverdächtigen die Flucht unmöglich machte. „Dort sitzen am Nachmittag oft Geflüchtete, unterhalten sich und tauschen sich aus“, berichtete die Zeugin der Leipziger Zeitung. Kurz darauf traf die Polizei ein und nahm den Mann fest.

Was über Motiv und Täter bekannt ist

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schrieb auf Instagram: „Das erschüttert mich zutiefst. Ich bin in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien.“ Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) bezeichnete den Vorfall als „schreckliche Amoktat“ und sprach von einem Einzeltäter.

Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht von einem politischen oder religiösen Motiv aus. Laut BILD-Informationen soll es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Haustechniker und Boxtrainer aus Leipzig handeln, der verheiratet und Vater eines Kindes ist. Ein Streit soll der Auslöser gewesen sein, zudem soll der Mann psychisch auffällig gewesen sein. Der Mann war bereits vor der Tat polizeibekannt, jedoch nicht einschlägig vorbestraft.

So geht Leipzig durch den Dienstag

Heute soll der 33-Jährige einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Grimmaische Straße und der Marktplatz bleiben noch bis zum späten Dienstagnachmittag gesperrt, weil die Polizei dort weiter Spuren sichert. Am Abend stellten Leipziger Bürger Kerzen an der Absperrung auf. Um 17.00 Uhr ist heute eine ökumenische Gedenkandacht in der Nikolaikirche geplant. Die Thomaskirche ist den ganzen Tag geöffnet für Trauer, Gespräche und Seelsorge.

Wer sich am Montag gegen 16.45 Uhr in der Leipziger Innenstadt aufgehalten hat und Hinweise geben kann, wird gebeten, sich zu melden. Das Hinweistelefon der Polizei ist erreichbar unter 0341 966 46666, das Hinweisportal des Landeskriminalamts Sachsen unter sn.hinweisportal.de.