Die dreisten Diebe machten sich über die Minidepots der Post her, in denen Briefe vor der Auslieferung zwischengelagert werden. 
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In der Kaserne arbeitete er an einer glänzenden Karriere, außerhalb des Dienstes machte sich Hassan A. (26) als dreister Post-Dieb zu schaffen: Antreten vor dem Richter, hieß es jetzt. Eine krumme Tour, die er am helllichten Tag mit Ziyad O. (28) in Kreuzberg durchzog – direkt am Straßenrand. Sie plünderten einen der grauen Ablagekästen der Deutschen Post. In den Minidepots werden Briefe zwischengelagert, damit die Zusteller in ihren Bezirken kurze Wege haben.

Auf EC- und Kreditkarten abgesehen

Kleinlaut der Ex-Zeitsoldat nun: „Vier Jahre Bundeswehr hatte ich hinter mir, wollte gerade auf zwölf Jahre verlängern.“ Der Vertrag war fertig, die Marschroute für die Zukunft schien klar. Bis ihn Polizisten am 26. Juni 2018 beim kriminellen „Nebenjob“ erwischten. Die Kasten-Knacker hatten sich über dunkle Kanäle einen Schlüssel beschafft.

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Der Anwalt von O.: „Damals trieb er sich mit falschen Leuten herum.“ Namen wolle O. allerdings nicht nennen. Nur so viel: In einschlägigen Cafés sei die Rede von schnellem Geld gewesen – „der Versuchung konnten sie nicht widerstehen“. Zwei Kisten nahmen sie aus dem Minidepot. Erwartungsvoll setzten sie sich in A.s Auto.

Noch vor Ort ging es ran an die Briefe. Ratsch! EC- und Kreditkarten suchten sie vor allem. Sie waren ganz vertieft, als aufmerksame Polizisten die „Lesestunde“ beendeten. Weil in der Mittelkonsole des Wagens ein sogenanntes Einhandmesser lag, war es aus Sicht der Ermittler ein Diebstahl mit Waffen. Da droht: Abmarsch in den Knast.

Täter geben sich reumütig

Ex-Zeitsoldat A. beteuerte: „Mir war nicht bewusst, dass da ein Messer lag. Es war ein altes Auto, das im Freundeskreis oft verliehen wurde.“ Auch O. als damaliger Beifahrer will kein Messer gesehen haben.

Der gescheiterte Klau gab ihnen angeblich zu denken. O.: „Ich habe mein Leben komplett geändert.“ Er arbeitet heute als Busfahrer. A. fing nach der unehrenhaften Entlassung als Limousinen Fahrer an. Das Urteil: Sieben Monate Haft auf Bewährung für den vorbestraften A., Komplize O. bekam 6000 Euro Strafe.