An die Kette legen Biker ihre Motorräder nachts, aber davon lassen sich Diebe kaum abschrecken. dpa/Florian Schuh

Jeder Fall ist einer zu viel: Tausende Motorräder werden jedes Jahr in Berlin gestohlen, und nicht jeder Diebstahl wird so schnell aufgeklärt wie der in der Nacht zu Dienstag in Berlin-Friedenau: Gleich fünf Motorräder wurden in der Nacht geklaut. Doch ein Zeuge hatte gesehen, wie zwei Männer in der Stubenrauchstraße eine Yamaha davontrugen. Wie die Berliner Polizei berichtet, sprach der mutige 67-Jährige die beiden ertappten Diebe an, die rannten davon. Wenig später gingen die beiden Tatverdächtigen einer Polizeikontrolle ins Netz: Sie saßen mit zwei weiteren Personen, sämtlich polnische Staatsangehörige, in einem Toyota Corolla und hatten den Zündschlüssel für einen Renault Master dabei – ein unauffälliger Transporter, wie er zu Hunderten über Berlins Straßen rollt. Abgestellt war er in der Nähe und beladen mit vier weiteren, gestohlenen Motorrädern der Marken KTM, Yamaha und Suzuki.

Wer in den einschlägig bekannten Motorrad-Foren der Region unterwegs ist, erfährt fast täglich von den Diebstählen vor allem hochwertiger Maschinen. Der Eindruck entsteht, dass sich die Fälle häufen. Ob das tatsächlich so ist, verrät ein Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), die die Felder der Kriminalität allerdings mit Zeitverzögerung aufschlüsselt. Der Polizei liegen allerdings aktuellere Daten bis einschließlich 2020 vor, die der KURIER hier in einer zeitlichen Aufstellung veröffentlicht.

Polizei Berlin

Sechs Maschinen pro Tag werden gestohlen, die meisten Fälle bleiben unaufgeklärt

Im 10-Jahres-Schnitt verschwinden demnach jährlich 2125 Mopeds und Krafträder, also fast sechs pro Tag. Vor zehn Jahren waren es allerdings deutlich mehr, nämlich 2675 Motorräder, und im abgelaufenen Jahr deutlich weniger, nämlich 1909. Nach einem Tiefstand im Jahre 2017 mit 1652 Fällen ist die Zahl in den Folgejahren wieder angestiegen.

Obwohl die Polizei auch mit grenzüberschreitenden Einsätzen im östlichen Brandenburg in Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen verstärkt gegen Banden vorgeht, bleibt die Aufklärungsquote gering. Nur etwa jeder achte Fall wird aufgeklärt. Bemerkenswert ist auch, dass die Gesamtzahl der Fälle im Corona-Jahr 2020 gegenüber 2019 nicht massiv eingebrochen ist: Mehrere Monate war die deutsch-polnische Grenze weitestgehend dicht, auch der Warenverkehr wurde engmaschig kontrolliert. Schlupflöcher gibt es jedoch weiterhin, und die Dreistigkeit der Diebesbanden kennt offenbar keine Grenzen.