Von einem Nobelhotel ging es ins nächste – ohne zu bezahlen. Nun ist es vorbei mit Luxus: Der smarte Mann zieht in den Knast.
Um Übernachtungen in acht Berliner Hotels ging es vor Gericht. Angeklagt: Niederländer Bastiaan T. (60) – blaue Augen, gepflegter weißer Bart, ruhig, sanfte Stimme. Einer, der überzeugen kann. Tatsächlich aber ein Nobelbetrüger mit Faible für teure Hotels.
Er checkte ein im Hotel Adlon Kempinski, dem legendären 5-Sterne-Luxushotel direkt neben dem Brandenburger Tor. Er ließ es sich am Gendarmenmarkt oder am Kurfürstendamm gutgehen.
Der Zechpreller reiste bereits auf Kosten eines per Internet gebuchten Hotels an: Im Juli 2024 nutzte er den Limousinen-Service und ließ sich von Hamburg nach Berlin chauffieren. In der Nobel-Unterkunft tischte er dann eine rührselige Geschichte auf.
Betrüger will im Hotel einen Heiratsantrag machen
Die Lüge: „Ich will meinem Lebensgefährten im Hotel einen Heiratsantrag machen.“ Er wolle verhindern, dass der Partner vorher etwas mitbekommt, und wolle deshalb erst nach der Überraschung bezahlen. Doch nach ein paar Tagen verdrückte sich T. heimlich.
Seine Ausrede vor Gericht: „Ich hatte in meiner Heimat erst meinen Job verloren, dann musste ich aus dem Haus ausziehen. Ich hatte Angst, obdachlos auf der Straße zu landen.“ Er habe als Berater gearbeitet – und sehr gut verdient.
Betrug auch in Münchener Nobelhotels
Dann der Absturz. „Erst wohnte er bei Freunden, lebte von letzten Ersparnissen. Im April 2024 kam er nach Deutschland, bewarb sich bei einem Unternehmen, bekam den Job nicht. Dann kam es zu Betrügereien“, sagte der Verteidiger.
Diverse Alias-Namen benutzte Kommunikationswissenschaftler T., log sich auch durch Münchner Nobelhäuser. Der nette Hotel-Betrüger nun: „Tut mir unglaublich leid, es wurde zu einer Masche.“
Zwei Jahre und zwei Monate Gefängnis für Täter
Der Richter: „Es gab Ihnen einen gewissen Kick. Sie wollten einen Lebensstandard weiterführen, den Sie sich nicht leisten können.“ In München bekam T. für sechs Fälle eine Bewährungsstrafe. Für die Serie in Berlin (Schaden: 13.000 Euro) gibt es Gefängnis: zwei Jahre und zwei Monate. (KE.)


