In zehn Tagen beginnt die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Die Fans von Hertha BSC werden spätestens dann nicht mehr aus dem Staunen herauskommen. Der blau-weiße Abstiegsversager Ivan Sunjic (29), der vom damaligen Hertha-Trainer Pal Dardai im April 2023 auf dem Trainingsplatz rausgeschmissen wurde, ist bei der Weltmeisterschaft dabei – für Bosnien, obwohl er schon für Kroatien gespielt hat.
„Verpiss dich!“ So feuerte Dardai Problemfall Sunjic
Der Reihe nach: Im Sommer 2022 heuerte der Mittelfeldspieler als Leihgabe vom englischen Zweitligisten FC Birmingham City bei Hertha an. Ex-Manager Fredi Bobic hatte den Deal eingefädelt. Es war einer dieser Fehlgriffe. Denn Sunjic schlenderte eher durchs Mittelfeld, als dass er konstruktiv als Sechser einen Spielaufbau organisierte.

Auch der Trainingseifer, um es höflich auszudrücken, war nicht überzeugend. Zum Saisonstart war er 2022/23 noch in der Startelf, zehn Spiele lang. Dann setzte ihn Ex-Trainer Sandro Schwarz auf die Bank. In der Rückrunde kam Sunjic nur noch als Joker. Als Schwarz gefeuert wurde, gab es den Eklat bei Nachfolger Pal Dardai. Bei einer Mannschaftsansprache der Hertha-Ikone auf dem Schenckendorffplatz, spuckte Sunjic auf den Rasen. Dardai wurde wütend und schmiss ihn mit diesen Worten raus: „Geh weg, tschüss, verpiss dich!“
Sunjic wurde suspendiert, wurde nicht mehr bei Hertha gesehen und ging zurück nach England. Sein Name tauchte erst wieder auf, als ihn Birmingham im August 2024 an den Klub Pafos FC aus Zypern abschob. So enden eigentlich Profikarrieren, wenn nicht mehr viel geht.
Sunjic wurde vom Kroaten zum Bosnier
Doch drei Monate später war Sunjic plötzlich wieder Nationalspieler. Nicht mehr für Kroatien, sondern für Bosnien. Der frühere kroatische U21-Nationalkapitän hatte 2017 genau ein Länderspiel für das A-Team gegen Mexiko gemacht. Eigentlich ist dann trotz Doppel-Staatsbürgerschaft kein Verbandswechsel mehr erlaubt.
Da die Fifa-Statuten aber 2020 gelockert wurden, ging es trotzdem. Denn Sunjic spielte in einem Freundschaftsspiel. Nur bei Pflichtspielen gilt das Verbandswechselverbot. Der defensive Mittelfeldmann ist seitdem Stammspieler bei Bosnien und hat sein WM-Ticket sicher, obwohl er gerade Muskelprobleme hat. Es ist ein erstaunlicher Wandel von Sunjic. Doch es gibt noch zwei andere Überraschungen bei der WM.

Darida schafft Sensations-Comeback für Tschechien
Vladimir Darida (35) ist für Tschechien sensationell am Start. 2021 war aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Im März machte bei den WM-Play-off-Siegen gegen Irland und Dänemark den Rücktritt vom Rücktritt. Nationaltrainer Jaroslav Silhavy will den erfahrenen Routinier, der nach siebeneinhalb Jahren bei Hertha im Januar 2023 zum Griechenklub Aris Saloniki ging und seit 2025 wieder in seiner Heimat für Hradec Kralove spielt, unbedingt bei der WM dabei haben. Silhavy: „Ich bin froh, dass Vladi zurück ist, er gehört ins Team.“

Hertha-Missverständnis Björkan spielt mit Haaland
Der dritte Ex-Herthaner, den fast keiner diesen Karriere-Booster zugetraut hat, ist Fredrik Björkan (27), der für Norwegen mit Superstar Erling Haaland bei dem Mega-Turnier dabei ist. Bei den Blau-Weißen spielte der linke Außenverteidiger nur von Januar bis Mai 2022 und ging als Joker-Spieler völlig unter. Nach einem weiteren halben Jahr bei Feyenoord Rotterdam wechselte er zurück zu seinem Heimatverein Bodö Glimt, setzte sich durch und ist Dauer-Nationalspieler in Norwegen.

