Hallo, hier bin ich! Felix Magath grüßt alle vor seinem ersten Training bei Hertha. Foto: Imago Images

Als am Sonntagabend gegen 20.35 Uhr die Meldung „Felix Magath neuer Cheftrainer bei Hertha BSC“ auf meinem Handy aufploppte, kamen sofort Erinnerungen hoch, die ein paar Jahre zurückliegen. Und die einige Nerven gekostet hatten. Am 17. April 2007 übertrug die ARD am späten Abend das Halbfinale im DFB-Pokal zwischen dem 1. FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt (4:0). Kurz vor Schluss blendete der Sender ein Meldungslaufband ein: „Felix Magath ab 1. Juli 2007 neuer Trainer bei Hertha BSC!“

Ich hatte Spätdienst in der Redaktion der Berliner Zeitung und meine Gedanken überschlugen sich: Das kann nicht sein, ging es mir durch den Kopf. Erst sieben Tage zuvor hatte Karsten Heine den glücklosen Falko Götz als Trainer bei Hertha abgelöst und gerade sein erstes Spiel beim VfL Bochum grandios mit 3:1 gewonnen. Ich begann hektisch zu telefonieren – mit Kollegen, mit Hertha-Manager Dieter Hoeneß, mit den Agenturen dpa und sid. Niemand konnte sich die überraschende Meldung erklären.

Mir blieb nicht viel Zeit bis zum Redaktionsschluss. In der ARD verabschiedete sich Moderator Waldemar Hartmann salopp so: „Ich höre gerade von unserer Redaktion, dass die Meldung über den neuen Hertha-Trainer Magath wohl noch nicht ganz sicher ist. Ich muss Sie, liebe Zuschauer, also mit einem Fragezeichen entlassen.“ 6,13 Millionen Zuschauer hatten die Nachricht verfolgt, wie später die Einschaltquoten zeigten.

Die Magath-Ente der ARD

Ich zögerte den Termin der Seitenabgabe bis zum Gehtnichtmehr hinaus, hatte Glück, weil die dpa-Kollegen eine Stunde vor Mitternacht Magath erreicht hatten, der sofort dementierte. Die Meldung war eine Ente. Wie sich erst später herausstellte, hatte sich eine unbekannte Person beim federführenden Sender, dem Bayerischen Rundfunk, gemeldet und als Assistent von Hertha-Pressechef Hans-Georg Felder ausgegeben. Der Informant gab die vermeintliche Neuigkeit weiter, die ungeprüft in den Ü-Wagen und auf den Sender gelangte.

Ich dachte damals, Herthas Profis sind vom „Quälix“ genannten Magath verschont geblieben und der erfolgreiche Coach wird wohl nie bei Hertha arbeiten. Nun hat mich und auch die Hertha die Realität eingeholt.

Es passt gut in die aktuelle filmreife Story, dass Karsten Heine, dem Berliner Interimstrainer vom April 2007, der die Falschmeldung auch mit offenem Mund am Fernseher verfolgt hatte, damals nur sechs Spiele blieben, um die Mannschaft von der Abstiegszone fernzuhalten. Magath (68) soll nun in acht Spielen (oder zehn Duellen bei einer drohenden Relegation) Hertha die Klasse sichern. Heine holte drei Siege und musste drei Niederlagen einstecken. Seine neun Punkte reichten am Ende für Platz 10 mit 44 Zählern.

Heine: „Magath kann Klassenerhalt schaffen“

Altglienickes Trainer Karsten Heine war jahrelang bei Hertha BSC tätig. Foto: Imago Images

„Es ist wichtig, die Spieler in solch einer prekären Situation zu kennen“, sagte mir der 66-Jährige, der erfolgreich den Regionalligisten VSG Altglienicke trainiert. „Ich besaß damals eine bessere Ausgangslage als Felix Magath, denn ich hatte einen guten Draht zu vielen Profis, da ich zuvor die U23 trainiert habe. Aber ich denke, dass Magath den Klassenerhalt noch schaffen kann“, so Heine.

Ich glaube, die Entscheidung pro Magath, den Hertha wie einst Otto Rehhagel in höchster Not aus der Rente holte, besitzt eine gewisse Logik. Er passt ins hektisch gesuchte Profil, ist eine absolute Autorität, war einst selbst ein hervorragender Spieler, besitzt enorme Erfahrung, hat Meistertitel in seiner Vita zu stehen und war sofort verfügbar. Felix Magath selbst kann eigentlich nicht verlieren. Schafft er es, die Klasse zu halten, geht er als Retter in die Annalen ein. Geht das Unterfangen schief, kann er die Schuld völlig zu Recht den Vorgängern geben und den chaotischen Verhältnissen im Verein. Fakt ist: Steigt Hertha ab, geht das Team zumindest total fit in Liga zwei.

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