Trainer Felix Magath hat beim Training alles im Blick. Foto: Imago Images/Räppold/Koch

Vorhang auf für Felix Magath (68). „Quälix“ startet seine Rettungsmission bei Hertha BSC. Erste Übungseinheit auf dem Schenckendorffplatz und der Trainer-Methusalem überrascht alle. Keine Brüllerei und laute Anweisungen, er schwieg fast die ganze Zeit und schaute nur zu. Sein Motto für die Hertha Profis: Trennen, rennen und ja nicht pennen!

Um 10.25 Uhr kamen die Spieler aus der Kabine. Vorher hatte sich Magath bei der Mannschaft vorgestellt und seine Marschroute klargemacht: Ordnung, Disziplin, Fitness und geschlossener Teamgeist. Die Profis haben das schon mal ziemlich schnell verstanden. Es war ein Bild wie bei einer Militärparade, als sie aus der Kabine kamen. Nicht tröpfchenweise einzeln oder in Grüppchen, sondern geschlossen in Dreierreihen liefen sie zum Rasen.

„Quälix“ schaut und schweigt

Magaths Co-Trainer Mark Fotheringham gab den Ton bei den Übungen an. Foto: Imago Images/Koch

Aber wo war Magath? Sechs Minuten später kam er auf den Platz. Da machten die Profis schon längst ihr Aufwärmprogramm unter Konditionstrainer Henrik Kuchno. Wie lange der das noch machen darf, ist fraglich. Denn Magath will Fitness-Leutnant Werner Leuthard (60, war schon mal unter Jürgen Klinsmann von November 2019 bis April 2020 bei Hertha) holen.

Magath beobachtete die Laufübungen genau. Dabei unterhielt er sich kurz mit seinem schottischen Co-Trainer Mark Fotheringham (38). Weitere 20 Minuten später ging es dann endgültig zur Sache. Fotheringham übernahm das Kommando, nicht Magath!

Magath trennt Team in zwei Gruppen

Denn der Trainerfuchs hatte einen Psychoplan ausgeheckt. Knallhart trennte er das Team in zwei Gruppen. Während Fotheringham sich um Gruppe A mit roten Leibchen kümmerte (Pekarik, Boyata, Gechter, Plattenhardt, Ascacibar, Tousart, Darida, Richter, Belfodil, Nachwuchsspieler Winkler), lautstark bei Pass- und Laufübungen interagierte und selbst manchmal mitmachte, machte Gruppe B (Klünter, Kempf, Dardai, Björkan, Mittelstädt, Kade, Lee, Boateng, Ekkelenkamp, Selke, Maolida, Nachwuchsspieler Atemona) dieselbe Übung, aber ohne echten Anweiser. Magath verschränkte die Arme nach hinten und schaute zu, wie sich die B-Gruppe verhielt.

Sonderrolle für Boateng

Magath im Gespräch mit Kevin Prince Boateng. Foto: Imago Images/Räppold/Koch

„Ich muss die Spieler in den ersten Tagen erst analysieren“, hatte Magath zuvor gesagt. Das tat er nun. Wer ergreift im vermeintlichen Ersatzspielerteam Initiative, wer gibt auch ohne Einpeitscher Vollgas? Magath schaute und blieb still – seine Autoritätsaura spürte aber jeder einzelne Profi auf dem Platz. Kevin-Prince Boateng wurde einmal laut und forderte Anton Kade zum Pass auf. Boateng bekam beim anschließenden Trainingsspiel beider Teams gegeneinander dann eine Sonderrolle als zentraler Spieler und durfte frühzeitig – wie vorher abgesprochen – die Einheit beenden, weil er nach seiner Corona-Infektion noch nicht fit ist.

Danach ließ der Coach seine Adleraugen wieder über den Platz streifen. Vom Schleifer war bei diesem Training (noch) gar nichts zu sehen. Müde trainieren darf er die Profis nämlich auch nicht. Sonnabend steigt das Heimspiel, sein Bundesliga-Comeback, gegen Hoffenheim (15.30 Uhr). Als Magath um 11.59 Uhr den Trainingsplatz verließ, sagte er zu einem Fotografen, der automatische Schnellfotos mit seiner Kamera von ihm machte: „Das rattert aber ganz schön!“ Ja, bei Magath rattert jetzt auch das Gehirn: Wer von den Profis ist ultimativ bereit für den Abstiegskampf?

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