Hertha BSC gewinnt auch gegen den FC Augsburg. AP/Poolfoto

Das geht aber ratzfatz. Vorgestern noch im Abstiegskampf, gestern auf dem Weg aus dem Keller, heute mit Blick nach oben – das ist Hertha BSC mit Bruno Labbadia. Der Trend setzt sich für die Blau-Weißen mit dem 2:0 (1:0) gegen den FC Augsburg weiter fort. Huch, Hertha, jetzt rückt sogar Europa immer näher.

Bei solch einem Lauf macht unter den Fans das Wort Höhenflug die Runde. Vier Spiele, zehn Punkte, Platz 6 ist plötzlich in Reichweite. Nur vier Zähler sind es noch bis zu den Rängen, die zur Reise durch Europa berechtigen. Das sind sozusagen anderthalb Spiele, mehr nicht. Da geht womöglich was, auch wenn die Männer um den neuen Trainer das in der Mehrzahl weit von sich weisen.

Einer, der sich trotzdem damit ziemlich offensiv beschäftigt, ist Rune Jarstein. Der Torhüter, der zum achten Mal in dieser Saison die Null hält, schielt ein wenig nach oben, sagt: „Vier Punkte? Das ist möglich.“ So was von möglich ist das bei diesem Flow, dass eigentlich nichts mehr unmöglich scheint. „Es ist auf jeden Fall besser als vor zwei Wochen“, meint Jarstein weiter, „aber wir machen lieber Spiel für Spiel. Mit der neuen Situation sind wir jedoch erst einmal sehr zufrieden.“

Trotzdem: Ganz wachsen die Bäume doch nicht in den Himmel. Nach einem deutlich überlegenen ersten Durchgang, dem Javairo Dilrosun mit seiner feinen Solovorstellung zum 1:0 (23.) die Krone aufsetzt, wird die ganze Angelegenheit später ziemlich zäh. So sehr die Blau-Weißen die Partie zunächst dominieren, auch ohne den zuletzt überragenden Matheus Cunha und ohne Marvin Plattenhardt (beide fehlen mit leichten Gehirnerschütterungen) frischer, präsenter, wacher sind und nur das 2:0 auslassen (Dodi Lukebakio, 32., Vedad Ibisevic, 38. mit Kopfbällen), kommen sie danach unverhofft in Nöte.

Plötzlich gibt es die gefährlichen Aktionen nur noch im Strafraum vor Jarstein. Gegen den Aufsetzer von Noah Joel Sarenren Bazee reagiert der Norweger klasse (47.), ein Kopfball von Florian Niederlechner (59.) und ein Flachschuss von Georg Teigl landen im Aus (86.), der Kracher von Marco Richter klatscht an die Latte (89.). Glück gehabt, Hertha, auch weil Jarstein noch mit den Fingerspitzen am Ball ist. Aber das gehört zu einem Arbeitssieg dazu.

Dafür zeigen die Blau-Weißen, die insgesamt die Ruhe bewahren, dass sie Konter können: „blinder“ Pass von Marko Grujic, feines Zuspiel von Vladimir Darida (mit 14,3 Kilometern Laufleistung die Dauerlunge, Rekord seit Datenerfassung), präziser Abschluss von Krzysztof Piatek – das 2:0 (90.+3) ist das erste Tor des Polen aus dem Spiel heraus und zugleich die Erlösung. Maximilian Mittelstädt, vor dem 1:0 der feine Flankengeber, kennt das Erfolgsgeheimnis: „Als Team agieren wir geschlossener. Jeder ist für den anderen da, bügelt die Fehler aus.“ Schade nur, dass es nicht schon vorher so war.

Vielleicht geht’s trotzdem so weiter, auch wenn der nächste Gegner am kommenden Wochenende Borussia Dortmund heißt. Heimsiege – schon im Stadt-Duell gegen den 1. FC Union und nun gegen Augsburg gewann Hertha gegen den Trend – sind nach dem Re-Start purer Luxus geworden.

Alles scheint möglich, auch Europa …