2800 mitgereiste blau-weißen Fans hatten sich die 1:6-Blamage von Hertha BSC bei Arminia Bielefeld zum Saisonabschluss angetan und waren nach dem Schlusspfiff komplett bedient. Wütend sangen sie: „Leitl raus!“ Die Anhänger haben ihren Sündenbock für das Desaster gefunden – den Trainer.
Leitl versteht die Hertha-Fans
Stefan Leitl selbst reagierte wie immer darauf sachlich: „Das ist verständlich, wenn man sich so präsentiert. Das ist eine Packung, die sich sehr schlecht anfühlt. So darfst du dich nicht präsentieren. Wir hatten in der zweiten Halbzeit nicht mehr die nötige Energie; wir bekommen drei Standardgegentore, das musst du einfach besser verteidigen.“
Die Saison endet noch schlimmer als befürchtet. Aus den letzten sechs Spielen wurden nur vier Punkte geholt (ein Sieg, ein Unentschieden und vier Niederlagen). Der Abwärtstrend wurde mit dem peinlichen Auftritt in Bielefeld beschleunigt. Für Leitl ist es jetzt eine schwere Hypothek ,so in die neue Saison zu gehen.
Denn trotz der akuten Fan-Wut hatte Geschäftsführer Dr. Peter Görlich schon vor vier Wochen angekündigt, dass Leitl auch in der neuen Saison Trainer ist. Gleichzeitig hatte Herthas Oberboss einen Kaderumbruch angekündigt. Das musste Leitl dann in der Mannschaft moderieren. Trotz aller Appelle zeigten die Profis im Endspurt um die goldene Ananas nicht mehr den letzten Willen. Zwei Spieler stellten sich nach der Blamage von Bielefeld zum Interview bereit.

Niklas Kolbe: „Das war leider ein Tiefpunkt“
Verteidiger Niklas Kolbe sagte: „Vor knapp 3000 mitgereisten Fans darf uns das so auf gar keinen Fall passieren. Da kommen völlig zu Recht entsprechende Reaktionen in unsere Richtung aus dem Gästeblock. Wir hatten viele gute Partien in dieser Saison, auch einige schlechte – das hier war leider ein Tiefpunkt.“
Es war die höchste Niederlage der Saison, weil die Mannschaft auseinanderfiel. „So eine zweite Hälfte darf uns nicht passieren. So wollten wir uns nicht aus dieser Saison verabschieden, wir wollten zum Ende ein gutes Spiel bringen und dürfen so auch nicht weitermachen. Da muss sich jetzt jeder Gedanken machen, an die eigene Nase packen“, erklärte Julian Eitschberger.


