Nationalspieler in der Jury: Bei Hollands Bondscoach-Suche dürfen auch Georginio Wijnaldum, Stefan de Vrij und Hans Hateboer (v. l.) ihren Senf dazugeben. Foto:
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Stellen Sie sich vor, Bundestrainer Joachim Löw würde seinen Job aufgeben und Manuel Neuer den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bei der Suche nach einem Nachfolger unterstützen. Der Kapitän der Nationalmannschaft dürfte sogar seinen Wunschkandidaten benennen – ebenso wie Toni Kroos und Joshua Kimmich. Verrückt? Verrückt.

Doch in den Niederlanden haben sie sich bewusst für solch einen Weg entschieden. Die Stützen der Elftal werden beim Casting für den neuen Bondscoach eingebunden. „Wir hatten als Spielerrat ein Treffen mit dem KNVB. Es war ein offenes und ehrliches Gespräch“, verriet Oranje-Kapitän Virgil van Dijk. Nicht einmal ein Jahr vor der EM-Endrunde darf schließlich nichts schiefgehen, der Neue muss funktionieren.

So, wie es bei Ronald Koeman der Fall war. Nach peinlichen Pleiten hatte der 57-Jährige am 6. Februar 2018 Oranje übernommen und binnen zwei Jahren wieder zu einer echten Nummer in Europas Fußball aufgebaut. Dann kam Corona, die EM wurde verschoben – und Koeman erlag dem Lockruf des FC Barcelona. Zum Leidwesen von Verband und Spielern.

Sein Nachfolger wird gesucht: Trainer Ronald Koeman brachte Holland zurück in die Weltspitze, wechselte nun zum FC Barcelona.
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„Jeder vertraute Koeman, alles hat gepasst“, sagte Abwehrchef van Dijk vor den Nations-League-Spielen gegen Polen (4. September) und Italien (7. September). Der Star des FC Liverpool betonte zwar, „dass am Ende der Verbandsvorstand die Wahl treffen muss“. Das Team würde aber sehr gerne „den Weg mit dem heutigen Trainerteam weitergehen. Wir sind sehr zufrieden.“

Deshalb sickerte auch schon durch, dass der KNVB weiter auf Koemans Wegbegleiter (in etwa 30 Personen) setzen und nur einen neuen Chef suchen will. Dwight Lodeweges, einer dieser Mitstreiter, soll deshalb nur interimsmäßig das Kommando übernehmen und dann wieder ins zweite Glied rücken. „Es ist vorgesehen, dass jemand anderes kommt“, sagte der einstige Assistent von Koeman. „Es wäre schön, wenn es so schnell wie möglich passiert.“

Es wird erwartet, dass der neue Bondscoach schon vor dem Test gegen Mexiko am 7. Oktober vorgestellt wird. Und natürlich kursieren längst diverse Namen in den niederländischen Medien – alle mit durchaus prominentem Bezug zur Elftal.

So könnte der frühere Bondscoach Frank Rijkaard ein Thema werden, obwohl er seit längerer Zeit keine Mannschaft mehr betreut hat, Gleiches gilt für Ruud Gullit. Die ehemaligen Nationalspieler Phillip Cocu und Frank de Boer werden ebenso genannt. De Boer wäre im Gegensatz zu Peter Bosz, dem ebenso genannten Trainer von Bayer Leverkusen, sofort verfügbar.

Bringt sich selbst ins Spiel: Ex-Bayern-Coach Louis van Gaal trainierte die Elftal bereits zweimal.
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Und dann wäre da noch Louis van Gaal, der sich ganz einfach selbst ins Spiel gebracht hat. Er „würde darüber nachdenken“, sollte der KNVB ihn fragen, sagte van Gaal dem TV-Sender NOS. Eine Entscheidung für den 69-Jährigen würde dessen dritte Amtszeit bedeuten, das wäre für die vorwärtsgewandte Philosophie des KNVB also eher unpassend.

Auch der Spielerrat um van Dijk hat dem Verband bereits die Namen seiner Favoriten mitgeteilt. Infos sind dazu bislang nicht öffentlich geworden – aber vielleicht befindet sich einer der Genannten ja auch auf dem Zettel der Kicker.