Trainingseinheit mit Nachwuchskickern des 1. FC Union imago/Matthias Koch (Archivbild)

Mitkicken beim 1. FC Union: Ein Traum für viele Nachwuchs-Fußballer, die schon in jungen Jahren von einer Profi-Karriere träumen. Doch angeblich beklagen sich Eltern darüber, dass für ihre fußballbegeisterten Kids der Weg zum Bundesligisten zum Albtraum wurde. Ein Bericht des ARD-Magazins Kontraste (Donnerstag 21.45 Uhr) stellt mehrere Jugendliche vor, die eigentlich in einem Nachwuchszentrum für Kinder und Jugendliche des Vereins untergebracht gewesen sein sollten. Dazu hätte sich der Verein verpflichtet. Doch da das Gebäude im Osten Berlins noch nicht fertiggestellt worden sei, kamen die erst Zwölfjährigen in einer WG im Osten Berlins unter. 

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Schule schaffen und Union-Fußballprofi werden: Das schaffen nur die Allerwenigsten.

Die Mutter eines Jungen, der im Bericht Paul genannt wird, nennt die Unterbringung „katastrophal“. Die versprochene Rundumbetreuung mit Essen, Trinken und Nachhilfe habe sich „enttäuschend“ entwickelt. Laut Unterbringungsvertrag sei für die Betreuung ein Sportpsychologe verantwortlich gewesen, der ebenfalls in der WG lebte, allerdings häufig gar nicht da gewesen sei. Vor allem nachts sei dies so gewesen, wird Paul zitiert. „Manchmal hatte ich ein bisschen Angst.“

„Manchmal hatte ich ein bisschen Angst.“

Paul, Nachwuchs-Fußballer

Weiterhin habe es an Lebensmitteln in der WG gefehlt: Sein Sohn Felix habe ihn kurz nach Einzug in die WG angerufen. Er habe wissen wollen, wie ein Wasserkocher funktioniert, um eine Fünf-Minuten-Terrine aufzuwärmen. Der Verein bestreitet die Vorwürfe, die Versorgung der Kinder sei zu jeder Zeit sichergestellt gewesen.

Trotzdem habe der Verein eine weitere Person engagiert, die zweimal die Woche gekommen sei, als der Sportpsychologe nicht anwesend war. Im Sommer 2020 sollen schließlich neue Räume angemietet worden sein.

Kleinbus mit Nachwuchs-Fußballern verunglückt – Eltern erfuhren angeblich erst am nächsten Tag davon

Eltern beklagen sich im Bericht auch über einen Unfall eines Kleinbusses mit Jugendspielern auf dem Rückweg von einem Auswärtsspiel im Sommer 2020. Ein Bereichsleiter des Nachwuchsleistungszentrums hatte offenbar die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und war gegen eine Leitplanke geraten. Durch Glück sei niemand verletzt worden. Eltern seien erst am Nachmittag des Folgetages in einer Whatsapp-Gruppe unterrichtet worden.

Fragen wirft laut Bericht auch ein Vertrag auf, den der Verein mit einem erst zwölfjährigen Nachwuchsspieler geschlossen habe. Eine Nachwuchsfördervereinbarung von insgesamt 3000 € werde demnach auf ein Sparkonto eingezahlt. An das Geld kommt der Nachwuchsspieler jedoch nur in dem Fall, dass er einen Fördervertrag unterschreibt. Doch den habe Union dem Nachwuchsspieler Felix überhaupt nicht angeboten, so dass dieser nie an sein Geld gekommen sei. Für die allermeisten Nachwuchsspieler ist der Traum von der Profikarriere ohnehin schnell ausgeträumt: Maximal zwei Spieler pro Jahr schaffen es vom Nachwuchs in den Profikader, für die anderen bleibt nur die mühsame Rückkehr in den grauen Alltag.