Verpasste Ziele, gebrochene Versprechen

Das Pokalfinale reißt beim BFC Dynamo so einige Wunden auf

Im ungeliebten Mommsenstadion steht nicht nur der Fußball gegen die VSG Altglienicke im Mittelpunkt

Author - Matthias Fritzsche
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Ausgelassener Partymoment: Peter Meyer (M.), Wirtschaftsratsvorsitzender des BFC Dynamo, feiert in der Kabine mit der Mannschaft den Pokalsieg 2025.
Ausgelassener Partymoment: Peter Meyer (M.), Wirtschaftsratsvorsitzender des BFC Dynamo, feiert in der Kabine mit der Mannschaft den Pokalsieg 2025.Patrick Skrzipek

Der BFC Dynamo packt wieder die Koffer fürs Mommsenstadion. Am Sonnabend spielen die Weinrot-Weißen im Berliner Pokalfinale gegen die VSG Altglienicke (11.30 Uhr). Sie treten als Pokalverteidiger an, sind nach der zu Ende gehenden Regionalliga-Saison aber definitiv nicht Favorit. Vor einem Jahr gegen Oberligist Eintracht Mahlsdorf war das anders (2:0).

Im Mommsenstadion holt den BFC die Vergangenheit ein

Wie so vieles damals anders war. Im Mommsenstadion schließt sich irgendwie ein Kreis für die Dynamos. Vor zwölf Monaten begann die sportliche Reise mit dem Aufbau einer neuen jungen Mannschaft, und beim Thema Stadionausbau war die Hoffnung groß, im Sportforum mit der Politik viel bewegen zu können. Wenn Wirtschaftsratsboss Peter Meyer im Mommsenstadion auf der Tribüne sitzt, werden sicher auch diese Themen hochkommen. Ja, der BFC steht wieder im Pokalfinale. Aber alle anderen Ziele wurden nicht erreicht. Sportlich endeten die Träume von einer ruhigen Saison mit der Entlassung von Trainer Dennis Kutrieb kurz vor Weihnachten, in der Stadionfrage zog die Politik im Herbst dem für die Dritte Liga notwendigen Umbau den Stecker.

Im vergangenen Jahr beeindruckten die Fans des BFC Dynamo mit einer großen Choreo im Mommsenstadion.
Im vergangenen Jahr beeindruckten die Fans des BFC Dynamo mit einer großen Choreo im Mommsenstadion.Patrick Skrzipek

„Für unseren BFC immer wieder aufzustehen, die Ärmel hochzukrempeln und in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit alles hinzubekommen, ist wirklich nicht einfach“, sagt Meyer und weiß: „Erfolg im Fußball ist kein Selbstläufer. Mit Rückschlägen lernt man zu leben. Aber das Nein der Politik zum Sportforum war mehr als ein Tiefschlag. Dass das, was im Koalitionsvertrag vereinbart worden war, plötzlich nichts mehr zählt, ist brutal, nicht zu verstehen und noch schwerer zu akzeptieren.“

Ratschläge der Politik sorgen für Puls beim BFC

Gleiches gilt für einen Satz, den Meyer im Mommsenstadion bestimmt wieder hören wird. „Ein Aufstieg steht ja aktuell nicht mehr zur Debatte, und wenn das in den kommenden Jahren der Fall sein sollte, dann kann der BFC ja hier spielen, bis der Jahnsportpark fertig ist“, ist die Auffassung einiger Politiker, wenn es um die Dritte Liga geht. Ob nun Sportforum oder Mommsenstadion sei egal, Hauptsache drittligatauglich. Diese Ansicht verursacht Puls bei den Dynamos. Weil sie alles im Verein mit Füßen tritt.

So schön wie 2025 wollen die Spieler des BFC Dynamo auch nach dem Pokalfinale am Sonnabend gegen die VSG Altglienicke jubeln.
So schön wie 2025 wollen die Spieler des BFC Dynamo auch nach dem Pokalfinale am Sonnabend gegen die VSG Altglienicke jubeln.Patrick Skrzipek

Fußballvereine brauchen eine Heimat. Man kann sie nicht einfach verpflanzen. Und den BFC schon gar nicht ins West-Berliner Mommsenstadion. Vielleicht noch in den neuen Jahnsportpark, wenn er irgendwann gebaut sein sollte. Dort feierte der BFC einst große Erfolge. Doch dorthin kann der BFC nur zurück, wenn der Verein auch die Vorteile eines Heimvereins hat. „Eine der Liga und den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Vereins unangemessene Nutzungsmiete oder fehlende Cateringrechte bei den Heimspielen würden den Jahnsportpark für den BFC unmöglich machen“, sagt Meyer und führt weiter aus: „Wir wollen im Sportforum bleiben, das ist weiter unser Ziel, denn es ist die Heimat unseres Vereins. Ein Umzug in den Jahnsportpark wird auch nur funktionieren, wenn es mehr wird als ein neutrales Stadion, in dem wir als Gast alle 14 Tage anreisen und das steril und beliebig austauschbar bereitsteht.“

Pokalsieg spült 150.000 Euro in die Kasse

Nach Abzug der Verbandsabgaben ist der Sieg im Berliner Landespokal rund 150.000 Euro plus dem Anteil aus den Einnahmen des Heimspiels der 1. DFB-Pokal-Runde wert. Dieses Geld könnten die Dynamos für ihren Weg mit jungen Spielern und Spielern aus der eigenen Nachwuchsarbeit gut gebrauchen. Die Strukturen wurden geschaffen und sollen in den nächsten Jahren weiter Früchte tragen, denn bis zur endgültigen Klärung der Stadionfrage wird der BFC erst mal keinen Anlauf zum Aufstieg in die Dritte Liga starten. Ins Mommsenstadion einmal im Jahr mit dem BFC zum Pokal-Endspiel zu kommen, bleibt aber als Ziel bestehen.

Auf jeden Fall hofft Peter Meyer, trotz der Rolle als klarer Außenseiter den Pokal am Sonnabend verteidigen zu können. Beim BFC sind alle heiß und bereit dafür.