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Wo es noch die DDR gibt: Über diese geheimnisvolle Karibik-Insel singt Frank Schöbel

Die DDR-Insel „Cayo Ernest Thaelmann“ ist ein geheimnisvolles Erbe der Vergangenheit. Frank Schöbel gehört zu den wenigen, die auf das Eiland durften.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Frank Schöbel erinnert mit seinem Lied „Insel im Golf von Cazones“ an ein vergessenes Stück DDR in der Karibik.
Frank Schöbel erinnert mit seinem Lied „Insel im Golf von Cazones“ an ein vergessenes Stück DDR in der Karibik.Bildagentur Monn/Imago, Neue Heimat, BK-Illustration NKK/KI

Auf seiner neuen Platte „Spiel des Lebens“ hat Schlagerstar Frank Schöbel (83) ein altes Lied aus dem Archiv hervorgeholt. „Insel im Golf von Cazones“ heißt es, auf dem Frank Schöbel mit seiner einstigen Ehefrau Aurora Lacasa zu hören ist. Das Besondere an dem Song ist aber nicht das Duett des einsten Traumpaares der DDR, sondern der Grund seiner Entstehung: eine vergessene Insel in der Karibik, auf der es noch die DDR gibt.

In der Karibik gibt es noch immer die DDR

22 Grad nördlicher Breite, 81 Grad westlicher Länge: Dort liegt vor Kuba die von Schöbel besungene Insel im Golf von Cazones. Ein Tropenparadies ist sie nicht.

Wer die Insel gesehen hat, berichtet von einem schönen natürlichen Strand und dass es auch kleine Palmen auf dem Eiland gibt. Statt Bewohnern gibt es eine fünf Meter hohe Ernst-Thälmann-Büste am Strand, die in den 90er-Jahren infolge eines Hurrikans geköpft wurde.

Auch Frank Schöbel kennt das Eiland. Er hat die Insel nicht nur besungen. Der Sänger gehört zu den wenigen, die diese Insel besuchen durften.

Als er mit Aurora Lacasa dort war, stand auch noch die Ernst-Thälmann-Büste in voller Schönheit. Zum Sonnenbaden und Planschen im Meer kamen die beiden aber nicht. Es war ein Arbeitsbesuch.

Dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. Am Strand ist der Kopf der Ernst Hermann Wüste zu sehen. Das Denkmal wurde bereits in den 90er-Jahren durch einen Hurrikan zerstört. Dieses Bild von der DDR-Insel ist in dem Spielfilm „Ernesto’s Island“ (2023) zu sehen.
Dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. Am Strand ist der Kopf der Ernst Hermann Wüste zu sehen. Das Denkmal wurde bereits in den 90er-Jahren durch einen Hurrikan zerstört. Dieses Bild von der DDR-Insel ist in dem Spielfilm „Ernesto’s Island“ (2023) zu sehen.Neue Heimat

Wie kam es nun zu seinem Insellied? „Fidel Castro hat Erich Honecker bei seinem Besuch 1972 in der DDR eine Insel geschenkt. Natürlich symbolisch. Es gibt wohl sogar ein Papier darüber“, sagt Frank Schöbel dem KURIER. „Aurora Lacasa und ich waren später zu Dreharbeiten für das Fernsehen der DDR auf dieser Insel. Ich schrieb dazu dieses Lied.“

Frank Schöbel und die DDR-Insel in der Karibik

Die Aufnahme, die man auf dem aktuellen Schöbel-Album hören kann, „ist bearbeitet, aber aus dieser Zeit“. 1975 war das Lied erstmals zu hören. In der Fernsehsendung „Unterwegs mit Musik – Kuba“ sah man dann auch Frank Schöbel und Aurora Lacasa, wie sie auf dem Eiland ihr Lied sangen.

Der Schlagerstar: „Die Insel heißt Ernst Thälmann, der Strand DDR. Ich dachte, als ich die Büste von Ernst sah, mehr Kabarett geht nicht.“

Frank Schöbel und sein Insellied: Nach über 50 Jahren nahm er den Song, bearbeitete ihn und packte ihn auf sein neues Album.
Frank Schöbel und sein Insellied: Nach über 50 Jahren nahm er den Song, bearbeitete ihn und packte ihn auf sein neues Album.Ervin Monn/imago

Die Insel ist noch auf vielen Karten verzeichnet. Sieben Quadratkilometer ist der letzte Rest des einstigen Arbeiter-und-Bauern-Staates groß.

Das Eiland ist ein Teil der Inselkette Cayos Blancos del Sur (Weiße Inseln des Südens), die vor Kubas Schweinebucht liegt, wo in den 60er-Jahren die USA versuchten, mit einer Invasion die kommunistische Regierung des Landes zu stürzen.

Die Lage der DDR-Insel vor Kuba.
Die Lage der DDR-Insel vor Kuba.Grafik: Berliner KURIER

Am 5. Juni 1972 hatte die kubanische Regierung im Erlass Nummer 3676 verfügt, dass diese Insel in Cayo Ernest Thaelmann umbenannt wird und der Strand den Namen Playa RDA (DDR-Strand) tragen soll. Einige Tage später überreichte Fidel Castro bei seinem DDR-Besuch die Urkunde samt Landkarte an Erich Honecker.

Doch DDR-Touristen haben sich dort auf dem südlichsten Strand der Republik nie gesonnt oder gingen zum Baden in das kristallklare Meer. Nur Honecker soll für ein paar Stunden einen Abstecher auf die DDR-Insel in der Karibik gemacht haben, als er 1980 Kuba besuchte.

DDR-Insel in der Karinik: Sie ist heute Sperrgebiet

„Die Insel ist seither Sperrgebiet. Nicht einmal die Kubaner dürfen sie betreten“, sagt der Berliner Regisseur Ronald Vietz (50). „Um dorthin zu kommen, braucht man ein Boot. Und Kubaner dürfen keine Boote besitzen – außer, sie sind Fischer. Und die Behörden stellen keine Erlaubnis aus, um auf die Insel zu kommen.“

Erich Honecker begrüßt Fidel Castro, der 1972 der DDR eine Karibikinsel schenkte.
Erich Honecker begrüßt Fidel Castro, der 1972 der DDR eine Karibikinsel schenkte.ZUMA/imago

Vietz gelang es trotzdem. Für seinen Spielfilm „Ernesto’s Island“ (2023) schaffte der Regisseur es, einen Einheimischen zu überreden, der ihn und das Filmteam auf die Insel brachte.

Vietz erzählte damals dem KURIER, dass er 2014 zum ersten Mal von diesem Eiland hörte, das im Gedächtnis der meisten Ostdeutschen schon längst vergessen ist, falls sie überhaupt etwas davon wussten.

Regisseur Ronald Vietz zeigt am Laptop Bilder von den Dreharbeiten auf der DDR-Insel vor Kuba.
Regisseur Ronald Vietz zeigt am Laptop Bilder von den Dreharbeiten auf der DDR-Insel vor Kuba.Markus Wächter/Berliner KURIER

Das letzte Stück DDR ist von der kubanischen Regierung zum Naturpark erklärt worden. „Dort leben viele Vogelarten. Im Innern der kleinen Insel, im Sumpfgebiet, gibt es einige Krokodile“, sagt Vietz.

Rings um das Eiland haben Haie ihr Revier. „Die Insel ist ein unwirtlicher Ort, wo man sich als Mensch nicht wirklich lange aufhalten möchte“, sagt der Regisseur.

Die Bundesrepublik Deutschland erhebt keine Ansprüche auf den DDR-Strand samt Insel. Das Auswärtige Amt und auch Kuba stellen klar, dass die Schenkung nur ein symbolischer Akt gewesen ist, „der nichts mit Besitzverhältnissen zu tun hat“.

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