Wie Al Capone

Türkische Familie soll 12 Millionen kassiert haben: So haben sie es gemacht

Eine Berliner Familie soll über Jahre Millionen mit Scheinrechnungen verdient haben. Nun muss sie sich vor Gericht verantworten.

Author - Tanja Tal
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Mustafa B. und Emine O. sind zwei der Mitglieder der türkischen Familie, trafen sich jetzt vor Gericht. Es geht um Geldwäsche in Millionenhöhe.
Mustafa B. und Emine O. sind zwei der Mitglieder der türkischen Familie, trafen sich jetzt vor Gericht. Es geht um Geldwäsche in Millionenhöhe.Pressefoto Wagner

Schmutziges Geld gewaschen und sich eine goldene Nase verdient: Zwölf Millionen Euro soll eine Familie kassiert haben. Erst eine Großrazzia mit Festnahmen, sechs Monate später ein Familientreffen auf der Anklagebank: Ali O. (53) als Oberhaupt der türkischen Familie, seine Frau Emine O. (53), ihre Söhne Rifat O. (28) und Faruk O. (26), mit Yunus O. (45) ein Bruder von Ali O. sowie Mustafa B. (26).

Männer agierten als kriminelle Vereinigung

Spektakulärer Geldwäsche-Prozess in Berlin: Die Männer sollen als eine kriminelle Vereinigung agiert haben. Es geht um Vorwürfe wie Geldwäsche, Beihilfe zur Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Über ein kriminelles Netzwerk soll mit falschen Rechnungen Geld gewaschen worden sein.

Der berüchtigte Mafia-Boss Al Capone soll sie erfunden haben: die Geldwäsche. Er kaufte in den 1920er-Jahren Waschsalons, um „faules“ Geld aus Erpressung, Glücksspiel, Prostitution in den Wirtschaftskreislauf zu bringen. Heute werden gerne Immobilien oder Luxus-Schmuck gekauft, um Geld zu waschen. Experten schätzen: In Deutschland werden jährlich rund 100 Milliarden Euro an illegalen Geldern gewaschen.

Ali O. und seine Söhne sollen von Januar 2021 bis zum 4. Dezember 2025 mitgemischt haben. Die Anklage geht davon aus: Der Schwindel lief über 62 eigens dafür gegründete Gesellschaften, meistens Baufirmen. Die Ermittler sind sicher: Über diese Gesellschaften wurden 19.212 Scheinrechnungen im Wert von insgesamt rund 174 Millionen Euro ausgestellt.

Prozess um Geldwäsche in Millionenhöhe in Berlin: Die vier in Haft sitzenden Angeklagten haben sich vor Gericht nicht vorführen lassen.
Prozess um Geldwäsche in Millionenhöhe in Berlin: Die vier in Haft sitzenden Angeklagten haben sich vor Gericht nicht vorführen lassen.Pressefoto Wagner

Der Staatsanwalt: „Ein Geschäftsfeld war es, Leistungen zur Verschleierung von Schwarzarbeit und zur Ermöglichung von Steuerhinterziehung anzubieten.“ Gegen Geld seien Scheinrechnungen und Barquittungen bereitgestellt worden. Mutter O. habe auf Weisung ihres Mannes Gelder entgegengenommen und weitergegeben.

So lief das miese Geschäft mit den Fake-Rechnungen

Die Beträge aus Fake-Rechnungen wurden laut Anklage zunächst an eine Servicegesellschaft überwiesen. Doch das Geld blieb dort nicht lange: Es wurde in bar zurückgegeben – als Schwarzgeld. Damit wurden dann Bauarbeiter bezahlt, ohne dass Steuern oder Sozialabgaben abgeführt wurden.

Schaden für Sozialversicherungen laut Anklage: 73,1 Millionen Euro. Dazu den Fiskus um Millionen betrogen. Die mutmaßlichen „Geldwäscher“ sollen Provision erhalten haben – durchschnittlich 7 Prozent.

Die Ermittler schlugen im Dezember zu: Mehr als 60 Wohnungen, Büros, Firmengelände durchsucht. Bargeld, mehrere Fahrzeuge, Goldschmuck und zehn Immobilien beschlagnahmt. Sieben Verdächtige wurden vorläufig festgenommen. Vier der angeklagten Männer sitzen seitdem in U-Haft. 28 Prozesstage sind bislang bis Ende Oktober geplant.