Beutezug beim Meister

So klaute ein Langfinger die Trophäe von Berlins Handball-Füchsen

Die Meisterschale von Berlins Handball-Füchsen war monatelang verschwunden. Ein Dieb war am Werk – allerdings kein Meister.

Author - Tanja Tal
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Am 8. Juni 2025 präsentierten die Handball-Füchse die Meisterschale. Fünf Monate später war sie weg.
Am 8. Juni 2025 präsentierten die Handball-Füchse die Meisterschale. Fünf Monate später war sie weg.Matthias Koch/IMAGO

Es ist eine unglaubliche Geschichte. Die einer Trophäe und eines Mannes, der es einfach nicht lassen kann: Oliver H. (42) steht immer wieder als Dieb vor Gericht – seit inzwischen 24 Jahren. Er soll es gewesen sein, der sich am 18. November 2025 in der Geschäftsstelle des Handball-Bundesligisten am Gendarmenmarkt an der silbernen Schale vergriffen hatte.

Meisterschale geklaut: Prozess startet

Das gute Stück stand im Trophäen-Schrank. Erstmals in der Vereinsgeschichte hatten die Füchse im Juni vorigen Jahres die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Fünfeinhalb Monate später der Schock: Die Schale geklaut. Der Staatsanwalt nun überzeugt: Es war eine von 136 Taten, die Oliver H. zwischen dem 22. Februar 2023 und dem 8. Januar 2026 begangen habe. Die Meisterschale wird in der Anklage als Fall 40 aufgelistet.

Mit einem selbst gebastelten Nachschlüssel soll sich der Langfinger Zutritt verschafft haben. Beute in der Geschäftsstelle des Handball-Bundesligisten: 16.100 Euro Bargeld und die Meisterschale. Rund, glänzend, wertvoll: Die Trophäe ist eine Zierde für jede Klub-Vitrine. Der Teller ist aus 925er Sterlingsilber, hat einen Durchmesser von 46 Zentimetern und wiegt stattliche 2,9 Kilogramm. Der Wert betrage etwa 12.000 Euro, heißt es in der Anklage. Doch der ideelle Wert ist kaum zu bemessen.

Der Angeklagte ließ sich Montag nicht vorführen. Im Hintergrund die Vorsitzende Kammer, vorne der Verteidiger ohne den Angeklagten.
Der Angeklagte ließ sich Montag nicht vorführen. Im Hintergrund die Vorsitzende Kammer, vorne der Verteidiger ohne den Angeklagten.Olaf Wagner

Der Dieb allerdings bunkerte die Schale zunächst. Das Versteck kurios: In einem selten genutzten Keller im Gebäude der Geschäftsstelle. Im März wurde das Silberstück bei einer Inventur hinter Karton gefunden. Der Staatsanwalt: „Für den späteren Abtransport zwischengelagert.“ Oliver H. saß bereits in Haft, als die Schale entdeckt wurde – festgenommen am 13. Januar. Ein schlanker Typ, die welligen Haare nackenlang, freundliches Lächeln im Gesicht. Unbekümmert wirkte er nun vor dem Landgericht.

Seine letzte Tatserie begann im Bürgeramt Köpenick. Er soll unter anderem 125 vorläufige Reisepässe, 34 internationale Führerscheine und fünf Aufenthaltstitel geklaut haben. Es folgten Einbrüche in diverse Geschäfte und Gewerberäume. Im September 2025 schlich er erstmals in die Geschäftsstelle der Füchse, erbeutete um die 8.000 Euro.

Als er zwei Monate später erneut beim Bundesligisten auftauchte, geschah es allerdings vor laufender Kamera. Ein Video soll als Beweis vorliegen. Ob er aussagen wird, ist noch offen. Der Staatsanwalt strebt sieben bis acht Jahre Knast gegen H. an. Fortsetzung: 9. Juli.

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