Kriminelle Kiezgröße

Mega-Polizeieinsatz bei Berliner Clan-Beerdigung von Mehmet K.

Massive Polizeipräsenz in Berlin: Hunderte Kräfte sichern die Beerdigung einer bekannten Clangröße in Neukölln und Westend.

Author - Kay Schöphörster
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Der Sarg wird nach dem Trauergebet vor der Beerdigung aus der Neuköllner Sehitlik-Moschee getragen.
Der Sarg wird nach dem Trauergebet vor der Beerdigung aus der Neuköllner Sehitlik-Moschee getragen.Bernd von Jutrczenka/dpa

Ein außergewöhnlich großer Polizeieinsatz hat am Donnerstag in Berlin die Beerdigung eines 62‑jährigen Mannes begleitet, den die Behörden als „polizeibekannte Milieugröße“ einstuften.

Schon am frühen Vormittag rückten Hunderte Beamtinnen und Beamte an die Sehitlik-Moschee in Neukölln aus, um die Lage zu sichern. Vor dem Gebäude sammelten sich Dutzende Autos der Trauergäste, während riesige Blumengestecke mit gut sichtbaren Namen aufgebaut wurden. Der Sarg des Verstorbenen wurde am Morgen in die Moschee getragen.

Zahlreiche Besucher kommen aus der Neuköllner Sehitlik-Moschee. Die Beerdigung im Clanmilieu wird von der Berliner Polizei mit einem größeren Aufgebot begleitet.
Zahlreiche Besucher kommen aus der Neuköllner Sehitlik-Moschee. Die Beerdigung im Clanmilieu wird von der Berliner Polizei mit einem größeren Aufgebot begleitet.Bernd von Jutrczenka/dpa

Polizei mit Hunderten Beamten im Einsatz

Die Polizei rechnete mit vielen „szenekundigen“ und teils polizeibekannten Besuchern. Auch beim anschließenden Begräbnis auf einem Friedhof in Westend erwarteten die Einsatzkräfte ein großes Aufgebot aus dem Clanmilieu. Bereits bei früheren Beerdigungen dieser Art waren mehr als tausend Menschen erschienen. Um Störungen zu verhindern, war die Berliner Polizei laut eigener Aussage mit mehreren hundert Kräften im Einsatz – darunter auch zivile Ermittler des Landeskriminalamts.

Der 62‑Jährige war am Dienstag gestorben. Er stammte ursprünglich aus der Türkei und bezeichnete sich selbst als Geschäftsmann. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) handelte es sich um eine einflussreiche Persönlichkeit der organisierten Kriminalität. Erst Mitte Dezember war sein Wohnhaus in Lichterfelde Ziel eines Angriffs geworden: Unbekannte feuerten rund 20 Schüsse auf das Gebäude. Die Ermittlungen wegen versuchten Totschlags laufen weiter.

Schaulaufen der organisierten Kriminalität

Um Eskalationen am Tag der Beerdigung zu verhindern, blieb die Polizei in engem Austausch mit der Familie. Ein Autokorso durch die Stadt wurde ausgeschlossen. Die GdP rechnete dennoch damit, dass sich Freunde, Geschäftspartner und auch Rivalen des Verstorbenen zeigen könnten – „ein Schaulaufen der organisierten Kriminalität“, wie Sprecher Benjamin Jendro erklärte.