Berlin sucht seit Jahren verzweifelt nach neuem, bezahlbarem Wohnraum – und jetzt tritt ein Projekt auf den Plan, das genau das verspricht: Die Gemeinwohlbau, hervorgegangen aus einer zivilgesellschaftlichen Initiative, möchte in Berlin Wohnungen schaffen, die sich auch Menschen mit schmalem Geldbeutel leisten können.
Gemeinwohlbau plant „bezahlbarste Wohnungen“ Berlins
Der Ansatz hinter den „bezahlbarsten Wohnungen Berlins“: kleine Grundrisse, serielle Bauweise und die Finanzierung durch viele Berlinerinnen und Berliner statt durch Großinvestoren. Hinter der Idee stehen Architekt und Kleinstwohnungsspezialist Van Bo Le-Mentzel sowie Architekt und Projektentwickler Lukas Sailer. Beide setzen auf das, was in Berlin reichlich vorhanden ist: Baulücken, Restflächen und ungenutzte innerstädtische Grundstücke.

Die Gemeinwohlbau, mit Sitz in der Kreuzberger Gneisenaustraße, knüpft an die Arbeit der Tiny Foundation an und entwickelt Wohnlösungen, die weit weg sind von klassischen Mikroapartments. Es geht nicht um ein weiteres teures Mini-Studio, sondern um ein neues Wohnmodell, das Rückzugsräume schafft und trotzdem Gemeinschaft ermöglicht. Die Wohnungen sollen bewusst klein sein – aber funktional. Das Projekt richtet sich an Menschen, die oft durchs Raster fallen: Azubis, Alleinerziehende, kinderreiche Familien. Ihnen will man nicht nur Raum geben, sondern faire Mietpreise bieten.

Als Richtwert gelten 20 Quadratmeter pro Person, jedoch mit einer durchdachten räumlichen Organisation: ein eigenes Bad, eine eigene Küchenlösung und ergänzende Gemeinschaftsflächen, die soziale Kontakte fördern. Der Ansatz soll verhindern, dass Menschen in Ein-Zimmer-Kapseln vereinsamen. Statt Isolation setzt die Initiative auf gemeinschaftliche Strukturen – und auf die Erkenntnis, dass urbane Wohnqualität nicht zwingend mit großen Flächen verbunden sein muss.
Mix aus DDR-Plattenbau und Tiny House
Die Gemeinwohlbau will ein Baukastensystem etablieren, inspiriert von Gründerzeitbauten, DDR-Plattenbau und Tiny-House-Konzepten. Dabei entsteht ein Wohnmodell, das weniger Fläche pro Person benötigt, aber dennoch ausreichend Privatsphäre bietet. Jede Wohneinheit verfügt über eine eigene Nasszelle, eigene Kochmöglichkeiten und kombiniert Privaträume mit gemeinsam nutzbaren Bereichen. Damit entstehen Strukturen, die modern, kostengünstig und gleichzeitig sozial gedacht sind.

Besonders klar ist die Preisidee: Azubi-Zimmer sollen warm bei rund 330 bis 350 Euro liegen, Zwei-Zimmer-Wohnungen für Alleinerziehende bei etwa 500 Euro. Die Miete soll sich nach dem Einkommen richten, nicht nach der maximalen Rendite. Genau dieser Punkt unterscheidet das Projekt radikal von marktgetriebenen Konzepten. Es geht um Wohnraum, der dauerhaft bezahlbar bleibt – nicht nur im ersten Jahr.
Die Initiative möchte zeigen, dass kleine Wohnungen keineswegs provisorische Notlösungen sind, sondern echte Alternativen zur klassischen Mietwohnung. Wer wenig Platz braucht, soll eine gute, durchdachte und faire Option erhalten – mitten in der Stadt, nicht am Rand.
Viele Berliner statt ein Investor: Ein Gegenmodell zum Wohnungsmarkt
Finanziert wird die Gemeinwohlbau über Genussrechte, die Bürgerinnen und Bürger erwerben können. Großinvestoren sind ausdrücklich nicht vorgesehen. Bereits im Februar 2026 verschickte das Unternehmen die ersten 20 Investitionsangebote, über 300 Menschen meldeten Interesse an. 100.000 Euro seien bereits auf dem Geschäftskonto. Das Ziel ist ambitioniert: Bis Oktober 2026 soll genug Kapital zusammenkommen, um das erste innerstädtische Grundstück zu kaufen.



