Berliner Wohnungskrise

Die neue Warteliste bei Immoscout: Hilfe oder nur ein weiterer Stau?

Die Wohnungssuche in Berlin treibt so manchen Verzweifelten in den Wahnsinn. Ein Update der größten Immobilienplattform könnte bald Abhilfe schaffen.

Author - Sharone Treskow
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Berliner auf Wohnungssuche dürfen sich über eine Neuerung bei Immoscout freuen (Symbolbild).
Berliner auf Wohnungssuche dürfen sich über eine Neuerung bei Immoscout freuen (Symbolbild).Ekaterina Pereslavtseva/Imago/Zoonar.com

Schlange stehen gehört zum Berliner Alltag. Vor großen Konzerten in der Uber-Arena, vor der Toilette im Biergarten, für Labubus im Alexa oder vor dem Berghain. Jetzt kommt die nächste große Warteschlange auf die Hauptstadt zu, wenn auch digital – bei Immobilienscout24.

Immoscout führt eine Warteliste ein

Wie das Portal Immobilienscout24 (auch Immoscout) dem KURIER auf Anfrage mitteilt, soll es künftig die Möglichkeit geben, sich für Mietwohnungen auf eine Warteliste setzen zu lassen. Wie soll das Ganze funktionieren? Wer auf Wohnungssuche ist, kann seinen favorisierten Stadtteil, sein Budget und die gewünschte Wohnungsgröße angeben.

Immoscout führt eine Warteliste ein.
Immoscout führt eine Warteliste ein.Timon Schneider/IMAGO/Zoonar.com/

„Im Rahmen unserer Initiative für mehr Transparenz am Wohnungsmarkt arbeiten wir an neuen Funktionen, die Suchenden früher zeigen sollen, wo Angebot entsteht“, erklärt ein Immoscout-Sprecher. „Ein Baustein ist eine Warteliste: Wohnungssuchende können ihr Interesse an bestimmten Lagen, Budgets oder Wohnungsgrößen hinterlegen und werden informiert, wenn passende Angebote entstehen.“

Wichtig ist: „Das ersetzt die klassische Wohnungssuche auf ImmoScout24 nicht. Inserate werden weiterhin regulär veröffentlicht.“ Die neuen Funktionen sollen die Suche „vielmehr ergänzen“, indem sie „frühere Orientierung“ geben und „mehr Transparenz“ in eine Phase bringen, in der Wohnungen heute oft noch im persönlichen Netzwerk weitergegeben werden.

Hat man ohne Kontakte überhaupt noch Chancen auf dem Wohnungsmarkt?

Weiter verrät der Sprecher: „Ein weiterer Ansatz ist ein Mieter-Netzwerk, über das Menschen potenzielle Nachmieter finden können. Ziel dieser Funktionen ist es, Nachfrage und mögliche Wohnungswechsel früher sichtbar zu machen – also genau in der Phase, in der Wohnungen heute oft im persönlichen Umfeld weitergegeben werden.“

Dass dieser Bedarf groß ist, zeigen die Daten von Immoscout: „74 Prozent der Menschen glauben inzwischen, ohne persönliche Kontakte kaum Chancen auf eine Wohnung zu haben.“ Mehr als jede fünfte Person hat schon einmal eine inoffizielle Untermiete oder eine Wohnung ohne Vertrag angeboten bekommen. „Das führt zu äußerst prekären Wohnverhältnissen.“

Wird die Neuerung die Wohnungssuche revolutionieren?

Die Neuerung von Immoscout klingt erst einmal gut. Aber dass die Umsetzung auch wirklich funktioniert, ist zweifelhaft. Wie jeder weiß, der in Berlin schon einmal eine Wohnung gesucht hat, stürzen sich bei einem neuen Angebot ohnehin tausende Verzweifelte auf ein einziges Objekt.

Sollte die Warteliste jedoch dem Phänomen – dass man hunderte Bewerbungen auf Wohnungen rausschickt, aber nur auf drei Besichtigungen eingeladen wird, um am Ende leer auszugehen – ein Ende bereiten, wäre das natürlich großartig. Das wird sich wohl noch zeigen.

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