Wann haben Sie zuletzt einen richtigen Sternenhimmel über Berlin gesehen? Vermutlich ist es eine Weile her, und das ist kein Zufall. Schuld ist die Lichtverschmutzung, erklärt Tim Florian Horn, Vorstand der Stiftung Planetarium Berlin und Direktor des Zeiss-Großplanetariums sowie der Archenhold-Sternwarte, im Gespräch mit dem KURIER.
LED-Lampen verschärfen das Problem
In jeder Stadt würden Menschen meinen, überall Licht zu brauchen, um sich sicher und zu Hause zu fühlen, sagt Horn. Straßenlaternen strahlen aber nicht nur nach unten, sondern auch nach oben in den Himmel.
Die Zahlen, die Horn nennt, sind ernüchternd. Rund 80 Prozent der Weltbevölkerung sind demnach von Lichtverschmutzung betroffen. In Europa haben sogar nur noch etwa vier Prozent der Menschen die Möglichkeit, einen wirklich dunklen Sternenhimmel zu sehen. Verschärft habe sich das Problem ausgerechnet durch die Umstellung auf LED-Lampen, die im bläulichen Bereich für unsere Augen heller wirken. Wer das Gefühl hat, als Kind öfter Sterne gesehen zu haben, täuscht sich also nicht.
Die Stiftung Planetarium Berlin feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Und Horn hat für die kommenden zehn Jahre einen großen Wunsch: Wenn das Interesse an kosmischen Themen ungebrochen bleibe, möchte er das Angebot ausweiten und in Berlin sogar ein „Space Science Center" bauen. Gedacht ist es als Erweiterung des Großplanetariums, ein Ort, an dem man sich durch echte wissenschaftliche Daten bewegt und an dem Wissenschaft anschaulich und begeisternd erlebbar wird.

Zum Schluss noch der Tipp, den sich alle Berliner im Kalender anstreichen sollten: Am 12. August 2026 zieht eine totale Sonnenfinsternis über Europa. In Berlin wird die Sonne immerhin zu rund 85 Prozent verdeckt. Die Stiftung Planetarium Berlin feiert dazu die „Lange Nacht der Astronomie".
Jetzt heißt es: Wünsch dir was
Und es kommt noch besser: In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreicht zugleich der bekannte Sternschnuppenstrom der Perseiden sein Maximum. Wer sich also etwas wünschen möchte, hat beste Chancen. Horns Rat für alle, die endlich einmal eine Sternschnuppe sehen wollen: Raus aus der hellen Stadt und vor allem Geduld mitbringen.


