Eigentlich sollte es ein lauter Dienstagabend in Kreuzberg werden. Am 28. April war geplant, dass die Metal- und Rockband Elli Berlin & Brunhilde im legendären Club SO36 auftritt. Doch kurz vor dem Termin kam die überraschende Kehrtwende: Das Konzert wurde abgesagt. Der Club informierte darüber auf seiner eigenen Webseite – und löste damit eine hitzige Debatte aus.
Antifaschismus für das SO36 „keine Verhandlungssache“
In der veröffentlichten Stellungnahme erklärt das SO36, man habe sich nach „intensiver Auseinandersetzung“ zu diesem Schritt entschlossen. Zur Begründung heißt es: „Die Künstlerin und/oder ihr Management vertreten Positionen bzw. eine Haltung, die in zentralen antifaschistischen Fragen nicht mit unseren Grundsätzen vereinbar sind.“ Der Club betont, Antifaschismus sei keine Verhandlungssache. Gleichzeitig entschuldigte sich das SO36 dafür, dass diese „Differenzen“ nicht früher erkannt worden seien.
Für Ticketinhaber gibt es immerhin eine pragmatische Lösung: Die Eintrittskarten sollen vollständig erstattet werden. Ein Nachholtermin ist laut Clubangaben nicht geplant. Konkrete Details zu den Vorwürfen nannte das SO36 nicht, ließ aber Raum für Spekulationen.
Absage hängt offenbar mit umstrittenem Festival zusammen
Ein möglicher Hintergrund tauchte kurz darauf in einer Stellungnahme auf, die auf dem Instagram-Profil der Frontsängerin von Elli Berlin & Brunhilde veröffentlicht wurde. Demnach soll die Konzert-Absage mit einem geplanten Auftritt der Band auf einem Festival zusammenhängen. Dort ist auch Philipp Burger, Sänger der Band Frei.Wild, angekündigt.

Frei.Wild aus Südtirol ist in der Vergangenheit immer wieder mit rechtsgerichteten Texten in die Kritik geraten. Experten stufen die Band mindestens als rechtspopulistisch ein. Die Musiker selbst haben sich mehrfach öffentlich von rechten sowie flüchtlingsfeindlichen Positionen distanziert. Dennoch gilt Frei.Wild bis heute als hoch umstritten – gerade in klar antifaschistisch positionierten Kulturorten wie dem SO36.
Um welches Festival es sich konkret handelt, wurde nicht offiziell bestätigt. Es könnte aber möglicherweise das „Rock dein Leben“-Festival sein, das im Sommer im baden-württembergischen Laichingen stattfinden soll und bei dem sowohl Elli Berlin & Brunhilde als auch Philipp Burger im Line-up stehen.
Band wehrt sich gegen Vorwürfe und spricht von Ausgrenzung
Die Absage will die Berliner Band nicht widerspruchslos hinnehmen. In ihrer Stellungnahme auf Instagram übt Elli Berlin & Brunhilde deutliche Kritik am Vorgehen des Clubs. „Eine politische Nähe zu anderen Künstlern eines Line-ups zu konstruieren, ist absurd“, heißt es darin. Wenn ein Club diese Maßstäbe anlege, müsse er konsequenterweise auch viele andere Acts wieder ausladen.
Weiter erklärt die Band: „Eine solche Form der Ausgrenzung entbehrt jeder sachlichen Grundlage.“ Man distanziere sich ausdrücklich von jeder Form des Extremismus und verurteile „jegliche Form von Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung“. Aus Sicht der Musiker sei die Absage daher nicht nachvollziehbar.

