Berlin-Steglitz-Auf dem Hermann-Ehlers-Platz wartet eine öffentliche Toilette auf Berliner mit einem dringenden Bedürfnis. Eine KURIER-Leserin hat uns jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass hier nicht ausnahmslos jeder pinkeln gehen kann: Den Zutritt kann man sich nur mit kontaktloser Zahlung verschaffen, nicht mehr mit Bargeld. Doch nicht alle Menschen haben immer eine EC-Karte dabei! Was steckt dahinter? Der KURIER hat nachgefragt.
Pinkeln für alle? Nicht in Steglitz!
Tatsächlich, an der Toilette der Wall GmbH direkt gegenüber vom Schloss Steglitz hängt folgender Vermerk: „Keine Münzzahlung möglich“. Die 50 Cent für den Gang aufs stille Örtchen müssen bargeldlos entrichtet werden, beispielsweise mit EC- oder Kreditkarte oder auch via Paypal mit dem Smartphone. Doch was ist mit älteren Menschen, die zur Bargeld-Fraktion gehören oder auch mit wohnungslosen Personen?

Der KURIER hat eine Anfrage an die Wall GmbH gestellt. Ein Sprecher erklärt daraufhin den Grund für die sukzessive Umstellung auf bargeldlose Bezahlung an öffentlichen Klos in Berlin seit 2022: „Hintergrund für die Umstellung der Zahlungsweise war die beispiellose Einbruchserie in den Vorjahren, in denen Münzbehälter entwendet und die Toilettenanlagen massiv beschädigt wurden.“
Die Berliner Toilettenhäuschen wurden geräubert
Weiter sagt der Wall-Sprecher: „Nach Ablauf einer zweijährigen Erprobungsphase eines bargeldlosen beziehungsweise entgeltfreien Betriebs der Toilettenanlagen am 30. Juni 2024 haben sich das Land Berlin und die Wall GmbH auf ein weiterentwickeltes Betriebskonzept für die Berliner Toiletten verständigt: Danach können 107 Berliner Toiletten mit integriertem Pissoir genderunabhängig kostenfrei genutzt werden.“

„An den übrigen 171 Berliner Toiletten, für deren Benutzung weiterhin 50 Cent anfallen, kann bargeldlos via Debit- und Kreditkarten sowie NFC-Schnittstelle und seit April 2025 auch kontaktlos mit der BVG-Guthabenkarte (die mit Bargeld an BVG-Verkaufsstellen aufgeladen werden kann) oder der digitalen Paypal-Kreditkarte gezahlt werden“, informiert er weiter.
Gute Nachrichten sind auch, „dass im Zuge der Einstellung der Münzzahlung die Anzahl kostenfrei zu nutzender Toilettenanlagen erheblich gesteigert wurde. Von den insgesamt 278 Berliner Toiletten sind 107 kostenfrei nutzbar.“
Die Zukunft ist wohl bargeldlos
Der Fortschritt lässt sich wohl nicht aufhalten. Wenn möglich, sollte man für die Pippi-Pause auf der Schlossstraße also wohl immer eine EC-Karte dabeihaben – oder das Angebot der BVG nutzen und sich eine Bezahlkarte zum Aufladen zulegen. Das ist beispielsweise im Kundenzentrum im U-Bahnhof Rathaus Steglitz möglich.


