Blackout-Sorgen

Eiskalte Wohnungen im Berliner Südwesten– kommt jetzt der Schimmel?

Wohnungen kühlen im Berliner Südwesten auf nur wenige Grad aus – der KURIER hat nachgefragt, wie groß die Schimmelgefahr wirklich ist.

Author - Tobias Esters
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Schimmel an der Wand: Nach ausgekühlten Wohnungen wächst bei vielen die Sorge vor Folgeschäden. (Symbolbild)
Schimmel an der Wand: Nach ausgekühlten Wohnungen wächst bei vielen die Sorge vor Folgeschäden. (Symbolbild)R. Rebmann/imago

Nach dem Stromausfall im Berliner Südwesten wächst bei vielen Betroffenen die Sorge: Droht in den ausgekühlten Wohnungen jetzt Schimmel? Tagelang ohne Strom, teils ohne Heizung, Räume, die extrem stark abgekühlt sind – und dann plötzlich wieder warme Heizungsluft, wenn der Strom wieder läuft. Ein Szenario, das Experten unterschiedlich bewerten.

Kein akuter Schimmel-Alarm

Der Schimmelexperte Hendrik Laue von der UCE Höckert GmbH gibt zunächst vorsichtig Entwarnung. Die Zeitspanne sei bislang zu kurz, um flächendeckend Schimmel entstehen zu lassen. „Nach etwa einer Woche sollte eigentlich noch nichts passieren“, erklärt Laue. Kritisch werde es vor allem dann, wenn solche Zustände häufiger auftreten oder sich zu einem Dauerproblem entwickeln.

Entscheidend sei jetzt das richtige Verhalten beim Wiederaufheizen der Wohnungen. „Die Heizung sollte nicht sofort auf 30 Grad hochgedreht werden“, warnt Laue. Stattdessen empfiehlt er, zunächst auf 17 bis 18 Grad zu heizen und die Temperatur dann langsam zu steigern. So lasse sich die Schimmelgefahr deutlich reduzieren. Zwar könne es vereinzelt zu kleinen Kondensschäden kommen, in Einzelfällen auch zu Schimmel – das hänge jedoch stark von der Bausubstanz und den Wänden der Häuser ab.

Ausgekühlte Häuser im Südwesten Berlins nach den Frostnächten
Ausgekühlte Häuser im Südwesten Berlins nach den FrostnächtenChristophe Gateau/dpa

Ganz anders fällt die Einschätzung von Klimatologe Karsten Brandt von donnerwetter.de aus. Er warnt vor späten Folgen, die viele Betroffene jetzt noch unterschätzen. Durch die extreme Kälte seien zahlreiche Wohnungen auf drei bis vier Grad heruntergekühlt. Wenn nun warme, feuchte Luft auf eiskalte Wände trifft, entstehe Kondenswasser – oft unbemerkt hinter Möbeln oder in Wandbereichen.

Warum der Schimmel erst Monate später auftauchen kann

Brandt rechnet deshalb nicht sofort, sondern zeitverzögert mit Problemen. „In einem halben Jahr oder einem Jahr werden wir in vielen der betroffenen Wohnungen deutlichen Schimmelbefall sehen“, prognostiziert er. Gerade versteckte Feuchtigkeit könne langfristig großen Schaden anrichten.

Für die Betroffenen bleibt vor allem eines wichtig: langsam aufheizen, regelmäßig lüften und feuchte Stellen im Blick behalten. Ob die Eiskälte des Winters tatsächlich zur Schimmel-Falle wird, zeigt sich möglicherweise erst Monate später.