Sollte man in der Schule über den Krieg zwischen Israel und der Hamas sprechen? Und über die Auswirkungen des Nahost-Konflikts hier? Eine Berlinerin mit palästinensischen und ein Berliner mit israelischen Wurzeln halten eine Thematisierung für dringend nötig!
Berliner Schüler sind verzweifelt
Auch an vielen Schulen in der Hauptstadt sorgt der Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas für Gesprächsbedarf. Das zeigen etwa die jüngsten Schlagzeilen über Prügeleien und andere Konflikte auf dem Schulgelände. Nach Überzeugung der Deutsch-Palästinenserin Jouanna Hassoun darf das nicht ignoriert werden.
Die Berliner Geschäftsführerin des Bildungsvereins Transaidency hat zusammen mit Shai Hoffmann, einem Berliner Sozialunternehmer mit israelischen Wurzeln, ein Projekt gestartet, bei dem sie gemeinsam Schulen nicht nur in Berlin besuchen und Jugendliche zu Wort kommen lassen.
Ihr Angebot: „Wir sprechen über die Emotionen, weil Schülerinnen und Schüler unheimlich viel Schmerz, Verzweiflung, manchmal auch Panik empfinden“, erklärt Hassoun der Deutschen Presse-Agentur. „Wir geben ihnen den Raum, darüber zu sprechen, und beantworten ihre Fragen.“
Lehrer sind mit der Lage überfordert
„Wenn wir ihnen nicht den Raum geben, ihre Wut, ihre Verzweiflung, ihre möglicherweise unreflektierten Äußerungen einzuordnen, werden sie bei Social Media mit Fake News konfrontiert, sie landen vielleicht bei Hetzern, die ihre ideologische Sichtweise verbreiten wollen“, betont die Deutsch-Palästinenserin.
An den Schulen gebe es oft eine große Hilflosigkeit. „Wir bekommen verzweifelte Anrufe und Mails von Lehrkräften, die nicht wissen, wie sie mit dem Konflikt, mit den Emotionen, mit dieser Wut umgehen sollen, wie sie reflektiert über diese Thematik sprechen können“, berichtet Hassoun, die als Sechsjährige aus einem libanesischen Flüchtlingslager nach Deutschland gekommen ist. „Deswegen müssen wir diese jungen Menschen einfangen.“

Das Ziel ist Empathie für beide Seiten
Ein weiteres großes Problem: „Lehrkräfte haben manchmal auch selbst antisemitische Tendenzen oder eine komplett unreflektierte Haltung, was palästinensisches Leben angeht, und solidarisieren sich automatisch mit Israel“, schildert Hassoun, die Bildungsmanagement studiert hat. „Das ist oft auch bei den Schülerinnen und Schülern so, dass sie einseitig pro Palästina oder einseitig pro Israel sind. Das ist unser Ziel: dass wir genug Empathie für beide Seiten haben können. Da geht es um Humanität und Menschenrechte.“
„Unser Trialog-Projekt ist aus der Not heraus entstanden, nach dem Vorfall an der Schule in Neukölln, bei dem es zu Auseinandersetzungen zwischen einem Lehrer und einem Schüler mit Palästinenserfahne gekommen ist“, erzählt Hassoun. „Als wir das gesehen haben, dachten wir: ‚Was passiert hier eigentlich?‘ Und haben dann entschieden, wir müssen jetzt was machen und werden als Duo in Schulen gehen.“
„In den Schulen bieten wir einen ‚braver space‘ an, einen Raum, wo jede Schülerin, jeder Schüler seine Meinung äußern und den Mut haben kann, auch kontroverse Themen anzusprechen“, verrät sie weiter. Der Terminkalender von Hassoun und Hoffmann ist voll, denn ihre Arbeit ist sehr gefragt: „Wir sind bis Ende des Jahres und darüber hinaus ausgebucht. Wir sind nur zwei Personen und hatten schon 300 Anfragen von Schulen.“


