Der Regisseur und Theatermacher Leander Haußmann hat mit „Sonnenallee“ einen der bekanntesten und humorvollsten Filme über das Aufwachsen in der DDR geschaffen. Auch abseits dessen setzt sich der 66-Jährige immer wieder mit seiner ostdeutschen Herkunft (geboren 1959 in Quedlinburg) auseinander.
Wahlberliner spricht über Ost- und Westgefühl
Im Podcast „Born in the GDR: Geschichte(n) aus einem verschwundenen Land“ der Autorin Antje Riis spricht der Wahlberliner ausführlich über seine Biografie, seine Erfahrungen nach der Wiedervereinigung und über das Gefühl, zwischen Ost und West zu stehen.
Haußmann kritisiert den Westen scharf
Zugehörig habe er sich letztlich keinem der beiden Teile Deutschlands gefühlt, sagt Haußmann. „Ich kann auch von mir sagen: Umso mehr die Zeit verging, umso mehr wurde ich zum Ossi. Also im Osten war ich keiner.“
Besonders scharf fällt seine Kritik am Westen aus, gespeist aus eigenen Erfahrungen, wie er betont. Gleich zu Beginn der rund zweistündigen Folge rechnet Haußmann mit dem ab, was er als Borniertheit, Ignoranz und Hochnäsigkeit erlebt habe.
Auch im Osten wurden die Rolling Stones gehört
Immer wieder sei er mit abwertenden Witzen konfrontiert worden, die seine Herkunft zur Folklore degradierten. Man habe darüber lachen müssen, erzählt er, nicht weil sie komisch gewesen seien, sondern um nicht als humorlos zu gelten. „Da adelt man diese Witze auch noch“, sagt Haußmann.
Weiter beschreibt er Situationen, in denen er erklären musste, dass man auch im Osten die Rolling Stones gehört habe.
Ein Leben zwischen Ost und West
Doch auch der Osten kommt bei Haußmann nicht ungeschoren davon. Gerade in seiner Arbeit als Theatermacher habe er nach der Wende wenig Anerkennung erfahren. Er habe nie wieder an einem Theater in den neuen Bundesländern gearbeitet. Nicht aus mangelndem Willen, sondern weil entsprechende Angebote ausgeblieben seien.
Auch dort habe man ihn offenbar nicht akzeptieren wollen. Sein Leben beschreibt Haußmann rückblickend zwischen Ost und West.

Filme mit DDR-Bezug galten als Tabu
Trotzdem findet Haußmann einen humorvollen Zugang zum Thema DDR. Der Film „Sonnenallee“ entstand, als die DDR als Erzählstoff nahezu tabu war. „Der galt an den Kassen als Gift. Und als man mit einem DDR-Thema kam, gingen sofort alle Türen zu“, erinnert sich der Regisseur.
Dass man über die DDR lachen könne und vielleicht sogar müsse, sei damals neu gewesen. „Und ich hab mir gedacht, ich bin da nun aufgewachsen, 30 Jahre. Ich glaube, ich hab nie wieder so viel gelacht wie in dieser Zeit“, sagt Haußmann.


