Unfassbare Tat in Berlin

Letzter Kältebus wird angezündet und fackelt ab

Es ist eine Tat, die fassungslos macht. Ein Brandstifter hat an Neujahr auch den letzten funktionsfähigen Kältebus der Berliner Stadtmission angezündet.

Author - Stefan Tappert
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Ein ausgebrannter Kältebus (l) steht an der Berliner Stadtmission. Der Bus war in der Nacht zum Sonntag komplett ausgebrannt, ein zweiter wurde in Mitleidenschaft gezogen, kann aber noch repariert werden.
Ein ausgebrannter Kältebus (l) steht an der Berliner Stadtmission. Der Bus war in der Nacht zum Sonntag komplett ausgebrannt, ein zweiter wurde in Mitleidenschaft gezogen, kann aber noch repariert werden.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Jetzt ist auch der letzte Kältebus zerstört – Täter festgenommen

Diese Fahrzeuge sind dafür da, dass  Menschen vor dem Erfrieren gerettet werdeb können. Und nach den ersten 2 zerstörten Bussen wurde nun auch der letzte gezielt zerstört. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter fest.

Gegen 14.30 Uhr am Neujahrstag schlug der Mann auf einem Parkplatz in der Lehrter Straße zu. Er setzte den dritten, bislang unbeschädigten Kältebus in Brand – offenbar mit voller Absicht. Mitarbeitende der Stadtmission konnten das Feuer zwar mit Feuerlöschern ersticken, doch der Schaden ist enorm: Auch dieses Fahrzeug ist nicht mehr einsatzbereit.

Angriff auf Menschlichkeit – Täter auf frischer Tat gestellt

Ein Sicherheitsmitarbeiter und ein Angestellter der Stadtmission ertappten den Mann direkt beim Zündeln. Sie hielten ihn fest und übergaben ihn der Polizei. Nun ermittelt die Kriminalpolizei wegen Brandstiftung.

Was bleibt, ist Entsetzen: Während viele Berlinerinnen und Berliner in der Silvesternacht feierten, griff dieser Mann gezielt die Hilfe für Obdachlose an.

Feuerwehrleute im Einsatz am ausgebrannten Kältebus in Berlin-Moabit.
Feuerwehrleute im Einsatz am ausgebrannten Kältebus in Berlin-Moabit.Berliner Stadtmission

Drei Kältebusse – drei Anschläge

Bereits kurz vor Weihnachten hatte es die ersten beiden Kältebusse getroffen. Einer brannte vollständig aus, ein zweiter wurde schwer beschädigt. Mit dem Anschlag an Neujahr sind nun alle drei Fahrzeuge, die nachts durch Berlin fahren, außer Gefecht gesetzt.

Busse, die Leben retten sollen. Busse, die Schlafsäcke, heißen Tee und Suppe bringen. Busse, die Menschen in bitterkalten Nächten ins Warme fahren.

Solidarität gegen die Kälte – Berlin hält zusammen

Trotz der Brandanschläge reißt die Hilfe nicht ab. Die Stadtmission berichtet von einer Welle der Solidarität: Unternehmen und Unterstützer stellten kurzfristig Fahrzeuge zur Verfügung, damit die lebenswichtigen Fahrten weitergehen konnten.

Doch der Schock sitzt tief.

Kältebus Mitarbeiter auf dem Weg zu Arbeit
Kältebus Mitarbeiter auf dem Weg zu ArbeitVeronika Hohenstein

Seit 31 Jahren gegen den Kältetod – und jetzt das

Seit dem 1. November rollen die Kältebusse wieder durch Berlin – inzwischen im 31. Jahr. Rein aus Spenden finanziert, getragen von Ehrenamtlichen, mit einem klaren Ziel: Niemand soll in dieser Stadt erfrieren.

Dass ausgerechnet diese Hilfe Ziel eines Brandanschlags wird, markiert eine neue Eskalationsstufe.

Ein Angriff auf Busse – und ein Angriff auf die Menschlichkeit dieser Stadt.

Wie ist Ihre Meinung zu den Anschlägen auf die Schwächsten? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com