Mein Berlin

Blubb, Schlecker und Videotheken: Was ich aus meiner Kindheit in Berlin schmerzlich vermisse

Blub in Britz, die Videothek um die Ecke und ein Besuch bei Schlecker: Wer Ende der 90er in Berlin aufgewachsen ist, kennt diese Erinnerungen.

Author - Sharone Treskow
Teilen
Blub, Schlecker und Video World sind für mich Nostalgie pur.
Blub, Schlecker und Video World sind für mich Nostalgie pur.Illustration Berliner Kurier

Wer Ende der 90er in Berlin aufgewachsen ist, kennt dieses Gefühl: Manche Orte und Marken sind längst verschwunden, leben in unseren Erinnerungen aber weiter. Für mich sind es das Blub in Britz, die Videotheken meiner Jugend und die engen Schlecker-Filialen, die sofort eine große Portion Nostalgie auslösen.

Noch einmal im Blub abtauchen

Gerade war ich mit meiner Familie an der polnischen Ostsee für einen Kurzurlaub. Leider haben wir ein verregnetes Wochenende erwischt und mussten in ein Schwimmbad flüchten, um unseren Jüngsten bespaßen zu können. Tatsächlich erwies sich das Bad im Radisson Blu Resort in Swinoujscie (Swinemünde) als Überraschungshit: vier große Wasserrutschen, Wellenbad, Strömungsbecken und mehr.

Als ich die Wasserrutschen hinuntersauste und meinem Sohn beim Planschen zusah, traf mich plötzlich ein Gedanke: Warum gibt es das alles in Berlin eigentlich nicht mehr? Und sofort war ich wieder neun Jahre alt und stand im Blub in Britz.

Archivbild von 2002: So sah das Blub von oben aus.
Archivbild von 2002: So sah das Blub von oben aus.Günter Schneider/imago

Das absolute Highlight in meiner Kindheit war es, wenn meine Schwester und ich das „Luft- und Badeparadies“ in Britz unsicher machen durften. Im Strömungskanal mit den großen Schwimmringen oder in dem coolen Außenbecken. Richtig aufregend – aber auch ein bisschen gruselig – waren immer die riesigen Wellen im Wellenbecken.

Und dann dieser unverwechselbare Schwimmbad-Geruch aus Chlor, Pommes-Fett und nassen Handtüchern. Die Pommes waren meist labbrig und überteuert. Aber in meiner Erinnerung schmecken sie bis heute besser als in jedem Restaurant.

Noch einmal durch eine Videothek stöbern

2002 musste das Blub unter anderem wegen Rattenproblemen geschlossen werden und wurde leider nie wieder eröffnet. Inzwischen ist hier ein neues Wohnviertel entstanden.

Ein ähnliches Schicksal hat ein weiteres Relikt aus meiner Kindheit in Berlin Ende der 90er-Jahre ereilt: die Videotheken. Damals wusste man sie gar nicht richtig zu schätzen, nahm sie für selbstverständlich.

Wie gerne wäre ich wieder zehn Jahre alt und dürfte noch einmal durch die Gänge schlendern: Heute „Schweinchen Babe“ oder doch „Flubber“? Heimlich rüberschielen zur 18-Plus-Abteilung, wo man sich als Kind nie hingetraut hat.

Lässt dieser Anblick Sie nicht auch herrlich nostalgisch werden?
Lässt dieser Anblick Sie nicht auch herrlich nostalgisch werden?Steinach/imago

Das Schönste war dabei nicht mal der Film. Das Schönste war die Suche. Eine halbe Stunde durch die Regale streifen, Hüllen lesen, den Eltern Vorschläge machen, alles wieder umwerfen und sich am Ende doch für denselben Film entscheiden wie letzte Woche. Mama erfolgreich um eine Packung Maoam-Kracher an der Kasse anbetteln. Ein perfekter Samstagnachmittag.

Später habe ich mir als Teenagerin im Videoworld in Spandau die perfekten Date-Filme mit meinem damaligen Freund – und heutigen Ehemann – ausgesucht. An diesen Vibe kommt heute einfach nichts mehr ran. Die letzte Berliner Video-World-Filiale schloss im Juli 2021. Die Kette hatte zeitweise rund 40 Filialen in Berlin.

Noch einmal durch die Schlecker-Gänge quetschen

Apropos durch Gänge schlendern. Das war in den furchtbar eng geplanten Läden nie möglich – und doch vermisse ich sie. Trotzdem gehörte die Kette zu meiner Jugend wie Bravo-Hefte, MSN und die ersten Handy-Klingeltöne. Die Rede ist natürlich von Schlecker (verschwand 2012 vom Markt). Hier habe ich als Teenagerin mein erstes Make-up gekauft, süße Sprüh-Deos getestet, die ich heute alle furchtbar finden würde, und dafür böse Blicke von den grundsätzlich mies gelaunten Mitarbeiterinnen kassiert.

Können Sie sich noch erinnern? So sahen die Schlecker-Filialen aus.
Können Sie sich noch erinnern? So sahen die Schlecker-Filialen aus.Schöning/imago

Natürlich gibt es heute Netflix, dm und das Tropical Island. Aber wenn ich ehrlich bin, ist es einfach nicht das Gleiche. Aber keines davon schafft es, mich wieder so zu fühlen wie ein Samstagnachmittag im Berlin von 1999.

Was vermissen Sie in Berlin, das es heute nicht mehr gibt? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.