BVG-Streik

Wie der Montag für die Berliner zum Nervtag wurde

Seit Montagmorgen wird im öffentlichen Personennahverkehr gestreikt. Berlin steht mal wieder still. Berufspendler sind genervt.

Author - Sebastian Krause
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Am Montag ging im Berliner Stadtverkehr nichts mehr. Die Bahnen und Züge standen wegen eines Verdi-Streiks still.
Am Montag ging im Berliner Stadtverkehr nichts mehr. Die Bahnen und Züge standen wegen eines Verdi-Streiks still.Matthias Koch/imago

Berlin stand und steht mal wieder still – diesmal nicht wegen des Wetters, sondern wegen eines Streiks im öffentlichen Nahverkehr. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte bundesweit Verkehrsunternehmen aufgerufen, am Montag ihre Arbeit niederzulegen. Betroffen davon waren auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Busse und Bahnen fuhren nicht.

BVG-Chefs sauer über Streiks der Mitarbeiter

„Wenn wir nicht für bessere Arbeitsbedingungen streiken, werden die Jobs so unattraktiv bleiben, wie wir das in den letzten Jahren erlebt haben“, sagte Andreas Schackert, der bei Verdi für den Bereich Busse und Bahnen zuständig ist. Wenn nicht genügend Menschen dazu bereit seien, den ÖPNV zu gewährleisten, „dann gibt es auch keinen“.

Kritik am ganztägigen Warnstreik gab es von der BVG. „Die BVG verurteilt die unverhältnismäßige Eskalation in den gerade erst begonnenen Tarifverhandlungen“, erklärte das Unternehmen. „Die Arbeitgeberseite ruft die Gewerkschaft Verdi auf, gemeinsam am Verhandlungstisch nach realistischen Lösungen zu suchen, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden nachhaltig weiter zu verbessern.“

Der Streik begann am Montagmorgen um 3 Uhr. U-Bahnen, Straßenbahnen und die meisten Buslinien standen still. Nur einzelne Linien, die von anderen Unternehmen betrieben werden, und die S-Bahn fuhren noch. Die Deutsche Bahn kündigte sogar an, wegen des Ausstands bei der BVG ihr Angebot leicht auszubauen.

Verdi streikt am BVG-Betriebshof Cicerostraße im Bezirk Wilmersdorf. Die Gewerkschaft fordert unter anderem bessere Arbeitsbedinungen und kürze Arbeitszeiten.
Verdi streikt am BVG-Betriebshof Cicerostraße im Bezirk Wilmersdorf. Die Gewerkschaft fordert unter anderem bessere Arbeitsbedinungen und kürze Arbeitszeiten.Stefan Zeitz Photography/imago

Das machte die Situation für viele Berufspendler kaum besser, bei eisigen Temperaturen und glatten Wegen zur Arbeit zu kommen. Der Frust stand vielen Menschen ins Gesicht geschrieben, während sie an den Haltestellen warteten.

Auch im Netz löste der Streik heftige Reaktionen aus. „Berlin ist ein absoluter Fiebertraum. Montagmorgen, minus 7 Grad“, schrieb ein Nutzer im Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter). Eine Frau kritisierte: „Danke, BVG, Enkel muss mit dem Taxi zur Arbeit fahren, kostet so einiges. Wen interressiert das normale Leben.“ Und in einem weiteren Post hieß es: „Der richtige Zeitpunkt wäre, wenn Arbeitnehmer Fahrrad fahren können. ver.di wird diesen heutigen Streik noch sehr bereuen.“

Straßenbahnen sollen Eis von Oberleitungen entfernen

Kurios: Trotz Warnstreiks fuhren einige Straßenbahnen. Fahrgäste beförderten sie allerdings nicht, Türen blieben zu. Grund: Die Fahrten sollen die Oberleitungen von Schnee und Eis befreien. Die BVG fürchtete, dass der Streik von Verdi dazu führen könnte, dass es in den kommenden Tagen wieder Probleme mit dem Eis gibt. Denn der Winter ist noch nicht vorbei.

Der bundesweite Warnstreik von Verdi begann am Montag um 3 Uhr.
Der bundesweite Warnstreik von Verdi begann am Montag um 3 Uhr.Jörg Carstensen/FUNKE Foto Services

Der Streik verursachte nicht nur genervte Gesichter, sondern auch hohe Kosten. Clemens Fuest vom Wirtschaftsforschungsinstitut ifo sagte der BILD, dass die Kosten in die Millionen gehen. „Vergangene Streiks haben nach Schätzungen 100 bis 200 Millionen Euro pro Tag gekostet. Das sind Wertschöpfungsverluste wegen entfallender Transportleistungen.“ Allerdings hänge der Preis der Streiks auch davon ab, welche Leistungen genau ausfallen.

Das sind die Forderungen von Verdi

In den Tarifverhandlungen fordert Verdi deutlich bessere Arbeitsbedingungen: kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.

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