„Wir suchen dich – für die Körperwelten?“ Das hatte sich ein Berliner Reinigungsservice wohl schöner vorgestellt: Groß und stolz kündigt er in der Plakatwerbung über einer Straße an, er suche unter anderem Rohr- und Kanalreiniger – auch Quereinsteiger.
Wer aber vorbeifährt, denkt wahrscheinlich nicht als erstes an einen Jobwechsel. Stattdessen wandert sein Blick weiter, vom „Wir suchen Dich!“ zur Werbung für die Ausstellung „Körperwelten“ – vor allem, weil die mit einem Pfeil direkt auf der andere Plakat zu verweisen scheint. Und zieht dann natürlich gleich die Verbindung. Da wird das Jobangebot für den flüchtigen Beobachter zum Aufruf, sich in die weltberühmte Sammlung plastinierter, menschlicher Körper einzureihen.
Augen auf: Unsere Umwelt erzählt eine Geschichte
Verbindungen wie diese sind wie „Environmental Storytelling“ im echten Leben. Das ist eine Erzähltechnik, die vor allem in Videospielen und Filmen bzw. Serien verwendet wird. Dabei wird dem Publikum durch die Umgebung erzählerische Elemente vermittelt. Wenn ein Charakter zum Beispiel durch eine Stadt läuft, die aussieht, als wäre sie seit Jahren verlassen, und dann sieht er plötzlich eine Vase mit frischen Blumen –Zeichen, dass es hier doch Leben gibt!
Im echten Leben wird es einem häufig nicht so sehr auf dem Silbertablett serviert wie im Videospiel, aber manchmal gibt es doch Umgebungen, die unabsichtlich eine Geschichte erzählen. Zum Beispiel, wenn man im Supermarkt in der Süßwarenabteilung steht und einen Apfel bei der Schokolade liegen sieht. Da weiß man sofort: Hier wurde eine Entscheidung getroffen.
Und manchmal gibt es eben Werbeplakete, die ungünstig plakatiert eine ganz eigene Geschichte erzählen.


