Tempelhof-Schöneberg

Senat schafft Tempo 30 auf einer Hauptstraße ab – auf den Wunsch eines Berliners

Senat plant, Tempo-30-Regelungen auch auf weiteren Hauptstraßen in Berlin schrittweise abzubauen.

Author - Sharone Treskow
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Auf der Marienfelder Allee wurde die Tempo-30-Beschränkung am Tag wieder abgeschafft. Jetzt gilt sie nur noch in der Nacht (Symbolbild).
Auf der Marienfelder Allee wurde die Tempo-30-Beschränkung am Tag wieder abgeschafft. Jetzt gilt sie nur noch in der Nacht (Symbolbild).Eibner/imago

Menschen mit Gehbehinderungen und Eltern mit Kindern freuen sich, wenn Autos in ihren Straßen nicht mehr rasen dürfen. Doch es gibt natürlich auch einige Autofahrer, die nicht mit Tempo 30 durch die Stadt kriechen wollen. Einer von ihnen hat jetzt in Tempelhof-Schöneberg einen Sieg errungen – und dafür gesorgt, dass man auf einer Hauptstraße bald wieder 50 fahren darf.

Bürgerbeschwerde führt zu erneuter Prüfung durch den Senat

Auf der Marienfelder Allee im Berliner Stadtteil Marienfelde (Tempelhof-Schöneberg) galt bislang ein strenges Tempolimit: Zwischen Belßstraße und Bahnstraße dürfen Autofahrer tagsüber nur 30 Kilometer pro Stunde fahren. Eingeführt worden war die Regelung aus Gründen der allgemeinen Verkehrssicherheit. Besonders die Schulwegsicherung und der Schutz sensibler Einrichtungen spielten dabei eine Rolle.

Die Straße ist eine klassische Hauptverkehrsachse. Einen separaten Radweg gibt es dort nicht. Ziel der Tempo-30-Anordnung war es, Konflikte zwischen Autos, Radfahrern und Fußgängern zu entschärfen und das Umfeld für Kinder sicherer zu machen.

Archivbild: Der ADFC Tempelhof demonstrierte mit einer Fahrraddemo im Juni 2021 an der Marienfelder Allee und fordert sichere und geschützte Fahrradwege.
Archivbild: Der ADFC Tempelhof demonstrierte mit einer Fahrraddemo im Juni 2021 an der Marienfelder Allee und fordert sichere und geschützte Fahrradwege.Maurizio Gambarini/imago

Jahre später landete das Tempolimit nun erneut auf dem Prüfstand – ausgelöst ausgerechnet durch eine Beschwerde aus der Bevölkerung. Die Senatsverkehrsverwaltung hat die bestehende Regelung überprüft und Mitarbeiter zur Ortsbesichtigung geschickt. Das Ergebnis fällt aus Sicht der Behörde eindeutig  aus.

Tempo 30 wird hier wieder abgeschafft

„Die Ortsbesichtigung ergab, dass keine Notwendigkeit einer Tempo-30-Geschwindigkeitsbeschränkung besteht, da sich die sensiblen Einrichtungen (Kitas und Schule) im Nebenstraßennetz befinden“, heißt es in einem Schreiben der Verkehrsverwaltung an den Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Zusätzlich seien „keine weiteren Gefahrensituationen“ festgestellt worden, die ein niedriges Tempo rechtfertigen würden. Auch die Unfalllage wird als „unauffällig“ bewertet.

Daraufhin kündigte die Senatsverwaltung nun an, die Tempo-30-Regelung tagsüber wieder aufzuheben. Künftig soll auf der Marienfelder Allee wieder Tempo 50 gelten – lediglich nachts von 22 bis 6 Uhr bleibt es bei Tempo 30.

Bezirk kritisiert die Entscheidung scharf

Im Bezirk stößt die Ankündigung nun aber auf massive Kritik. Verkehrsstadträtin Saskia Ellenbeck (Grünen) zeigt sich irritiert: „Die Anordnung des Senats ist aus Sicht des Bezirks unverständlich. Wer Schulwegsicherheit ernst meint, darf nicht anlasslos Tempo 30 zurücknehmen“, sagt sie dem Tagesspiegel.

Die Grünen-Verkehrsstadträtin Saskia Ellenbeck wundert sich über die schnelle Rücknahme der Tempo-30-Maßnahme.
Die Grünen-Verkehrsstadträtin Saskia Ellenbeck wundert sich über die schnelle Rücknahme der Tempo-30-Maßnahme.Steinach/imago

Besonders störe sie, dass offenbar eine einzige Bürgerbeschwerde ausgereicht habe, um eine sicherheitsrelevante Maßnahme zu kippen. Zwar lägen an der Marienfelder Allee selbst keine Schulen oder Kindergärten, jedoch befänden sich sieben Kitas in unmittelbaren Nebenstraßen, teils weniger als 50 Meter entfernt.

Auch die nahe gelegene Steinwald-Schule, eine Förderschule, liege in direkter Umgebung. „Ich erwarte, dass die Senatsverwaltung diese Entscheidung überdenkt, denn fachlich ist es nicht nachvollziehbar“, so Ellenbeck.

Senat setzt auf schneller fließenden Autoverkehr

Die Marienfelder Allee ist kein Einzelfall. Bereits im September 2025 hatte der Berliner Senat beschlossen, auf 22 Hauptstraßen Tempo-30-Regelungen ganz oder zeitweise aufzuheben. Hintergrund waren gesunkene Luftschadstoffwerte, die damals Grundlage der Tempolimits gewesen waren.

Die Verkehrsverwaltung sah deshalb vielerorts keinen rechtlichen Anlass mehr für Tempo 30 und kam damit auch einer Forderung der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus nach. Ziel der Landesregierung ist es, den Autoverkehr spürbar zu beschleunigen.

Bezirke setzen Tempo-50-Anweisungen nur zögerlich um

Doch nicht überall folgen die Bezirke den Vorgaben des Senats. Besonders in Berlin-Mitte gelten auf mehreren betroffenen Straßen bis heute weiterhin Tempo-30-Regeln. Verkehrsstadtrat Christopher Schriner (Die Grünen) verweist hier auf begrenzte Kapazitäten.

Stadtrat Christopher Schriner (Bündnis 90/Die Grünen)
Stadtrat Christopher Schriner (Bündnis 90/Die Grünen)Jörg Carstensen/imago

„Diese Tempo-50-Anordnungen sind prioritär nicht so weit oben, weil es zunächst andere Anordnungen zu bearbeiten gibt, bei denen es um konkrete Fragen der Verkehrssicherheit geht“, erklärt er. Wann die Umstellungen erfolgen, bleibt offen – ebenso wie die Frage, wie viele Tempo-30-Zonen in Berlin noch Bestand haben werden.

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