Ein Stethoskop und Kinderspielzeug liegen in einer Kinderarztpraxis auf einem Tisch. Zeit für Spielchen ist in den Rettungsstellen für Kinder schon lange nicht mehr. dpa

Was, wenn man etwas übersieht, was, wenn es schnell gehen muss? In Berlins Kinderkliniken und Rettungsstellen für Kinder arbeitet das Personal am Limit. In einem dringlichen Brief wenden sich Ärzte von Berliner Kinderklinken nun an die Politik. Weil es viel zu wenig Personal gebe, stehe das Wohl von Kindern und Jugendlichen auf dem Spiel.

Ärzte aus acht  Berliner Häusern, darunter  die Charité, die Vivantes-Kliniken Neukölln und Friedrichshain, die Helios-Kliniken in Steglitz-Zehlendorf und Berlin-Buch, das St. Joseph Krankenhauses in Tempelhof-Schöneberg, die DRK-Kliniken Westend, das Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau und des Immanuel-Klinikums in Bernau im Barnim äußern ihre Sorge. Sie fürchten, dass sie „aufgrund der gegenwärtigen Missstände in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ diesen nicht mehr gerecht werden können. Die Versorgungsengpässe seien dramatisch. Grund dafür sei vor allem Personalmangel.

Die Versorgungsengpässe in allen Kinderkliniken Berlins, insbesondere in den Rettungsstellen, sind dramatisch

„Das gesamte Personal arbeitet am Limit des Möglichen“, heißt es in dem Brief an Gesundheitsminister Karl Lauterbach, die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote sowie an die Direktionen und kaufmännischen Leitungen der Klinikträger.

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„Akute Gefährdung für Kinder und Jugendliche in Berlin“

Schon jetzt werden Kinder nach Brandenburg in Kliniken verlegt, weil es in Berlin zu wenig Betten gibt. Das Problem ist brisant, neu ist es nicht. Mit Nachdruck fordern die Mediziner in dem Schreiben mehr Personal, einen festen  Personalschlüssel für die Rettungsstellen und Stationen, eine bessere Schichtplanung. Auch müsse die Ausbildung zur Kinderkrankenpflege wieder aufgenommen werden. Der Personalschlüssel und die Vergütung müsse sich an den intensiveren Wintermonaten orientieren, nicht an den vergleichsweise ruhigeren Sommermonaten.

Fallpauschalen in der Pädiatrie abschaffen

Die gängige Praxis der Fallpauschalen nach denen seit 2003 gerechnet wird, ist in Kinderkliniken oft unwirtschaftlich. Die Unterzeichner fordern, das Bezahlmodell in der Kinderheilkunde abzuschaffen. Es berücksichtigt nicht den erheblichen personellen und zeitlichen Mehraufwand bei der Versorgung von Kindern.

Außerdem plädieren sie für eine zentrale Bettenkoordination für Berlin und Brandenburg. Die im Krankenhausplan des Landes Berlin formulierten Ziele seien weder vor der Pandemie erreicht worden, geschweige denn aktuell.

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„Es besteht eine akute Gefährdung für Kinder und Jugendliche im Bundesland Berlin“, heißt es in dem Brief weiter. „Wir fordern sofortige Maßnahmen, um die Notlage zu beenden, die Versorgungssicherheit wiederherzustellen und das Personal zu entlasten.“

Schon im vergangenen Jahr hatte es Brandbriefe aus Berliner Rettungsstellen gegeben. Getan hat sich offenbar wenig.

Personalnot in Kinder-Rettungsstelle länger ein Problem

2021 hatten Assistenzärzte im Virchowklinikum an die Geschäftsleitung geschrieben. Sie beklagte ebenfalls große Personalnot, vor allem in den Rettungsstellen. Kinder müssen teilweise stundenlang warten, bis sie ein Arzt behandelt. Damals hatte die Charité versprochen, die Forderungen ernst zu nehmen. Die Corona -Pandemie verschärft das Problem nun weiter. Dass Kinderkliniken noch funktionieren liegt am großen Engagement derer, die dort arbeiten. Doch auch hier kehren Beschäftigte ihrem Arbeitsplatz den Rücken.

Die Gesundheitsverwaltung teil die im Brief angesprochenen Punkte weitgehend, schreibt die taz.  „insbesondere in Hinblick auf die strukturelle Unterfinanzierung der Kinder- und Jugendmedizin“. Bereits im September und Oktober habe man Gespräche mit den Leitern der Kinderkliniken geführt, um sich einen Überblick über die akuten Probleme zu verschaffen. Demnach verweist die  Senatsverwaltung auch darauf, dass die neue Bundesregierung im Koalitionsvertrag einen Entwurf für ein neues System zur angemessenen Finanzierung in der Pädiatrie ankündigte.