Immer mehr Berliner Jugendliche landen nach dem Konsum von Medikamenten im Krankenhaus oder beim Giftnotruf. Besonders alarmierend: Das verschreibungspflichtige Medikament Pregabalin wird laut Experten zunehmend als Partydroge missbraucht und auch der Konsum in Berlin ist stark gestiegen.
Pregabalin wird zunehmend als Partydroge missbraucht
Die Anzahl der Jugendlichen, die nach dem Konsum von Pregabalin beim Giftnotruf der Berliner Charité gemeldet wurden, hat sich zwischen 2022 und 2025 vervierfacht. Eigentlich wird Pregabalin gegen Nervenschmerzen, Angststörungen, bei Epilepsie oder Entzugsbehandlungen eingesetzt.
Doch das Medikament hat ein hohes Suchtpotenzial. Besonders gefährlich wird es beim Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Drogen. Die Berliner Haus- und Suchtmedizinerin Doris Höpner beschreibt die Wirkung und sagt zu rbb24: „Es gibt das Gefühl, ein bisschen high zu sein, ein für manche angenehmer Schwindel kommt auf.“
Gerade Jugendliche würden laut Experten oft unkontrolliert verschiedene Substanzen kombinieren. Darius Chahmoradi Tabatabai vom Drogentherapie-Zentrum Berlin bestätigt gegenüber rbb24 den Trend: Pregabalin werde zunehmend auf Partys konsumiert. Vielen fehle dabei das Wissen über Dosierung und Risiken.
Besonders tückisch: Das Medikament verstärkt unter anderem die Wirkung von Alkohol. Dadurch könne es zu schweren Atem- und Kreislaufproblemen kommen, die lebensgefährlich werden können. Marc Pestotnik von der Fachstelle für Suchtprävention erklärt: „Im schlimmsten Fall konsumieren einige das dann unhinterfragt.“ Dass Jugendliche auf solche Trends aufspringen, überrascht ihn allerdings nicht.

Pregabalin ist zwar verschreibungspflichtig, wird laut Experten aber auch auf dem Schwarzmarkt verkauft. Etwa über Telegram-Gruppen, dubiose Online-Portale oder direkt auf Partys. Teilweise würden Jugendliche die Tabletten einfach zugesteckt bekommen. 2024 veröffentlichte die Statistikbehörde in Großbritannien eine Statistik über die Anzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Anwendung von Medikamenten in den Jahren 2018 bis 2022 – u. a. geht es um Pregabalin.
Warum kann man an Pregabalin sterben?
Dem Medikament sind in dem Zeitraum 3400 Todesfälle zuzuschreiben. Im Jahr 2022 war das Medikament an 779 Todesfällen beteiligt. 2012 waren es nur neun Todesfälle. Laut einer Recherche der Sunday Times handelt es sich um die am schnellsten steigende Zahl an Todesopfern im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln in Großbritannien.
Pregabalin ist laut dem Psychiater Dr. Christoph Bartels grundsätzlich ein Wirkstoff mit großer therapeutischer Breite und damit meist auch in höheren Dosierungen noch vergleichsweise gut verträglich. Zur Apotheken-Rundschau sagt er, dass es vor allem lebensgefährlich wird, wenn ein Mischkonsum mit anderen Drogen oder Medikamenten stattfindet.



