Am heutigen Donnerstag ist Welttag des Trinkgelds. Woran ich da direkt denken muss – und so geht es sicher vielen: Die automatische Trinkgeldabfrage an immer mehr Kartengeräten in Berlin nervt mich tierisch.
Warum ich die Trinkgeld-Frage hasse
Trinkgeld ist per se eine feine Sache. Da ich während meines Studiums und auch schon in der Schulzeit überwiegend Gastronomie-Nebenjobs hatte, bin ich als Gast gerne großzügig und gebe nur selten kein Trinkgeld. Denn Kellnern ist ein Knochenjob – wer etwas anderes sagt, hat es nie machen müssen.
Dass man inzwischen jedoch bei der EC-Zahlung an allen möglichen Kartengeräten automatisch nach festgelegten Trinkgeld-Optionen gefragt wird, finde ich unmöglich. Warum sollte ich beispielsweise an der Eisbude im Zoo Trinkgeld für eine Kugel Eis geben, für die ich mich selbst angestellt habe? Oder für meinen Starbucks-Kaffee, den ich mir brav an der Theke abholen muss?

Trinkgeld gibt es in meiner Welt nur für echten Service. Im Rahmen von Selbstbedienung danach zu fragen, finde ich einfach nur frech. Außerdem ist es jedes Mal furchtbar unangenehm, vor den Augen eines Mitarbeiters auf die oft winzig kleine „Kein Trinkgeld“-Option zu klicken.
Trinkgelder sind seit der Einführung tatsächlich gestiegen
Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich dadurch auch schon dazu verleiten lassen, mehr Trinkgeld zu geben, als ich es sonst getan hätte – oder überhaupt welches. Damit bin ich nicht allein: Seitdem beim Bezahlen mit Karte immer häufiger automatisch nach Trinkgeld gefragt wird, geben viele Menschen tatsächlich mehr.
Studien zeigen, dass sowohl die Zahl der Trinkgelder als auch die durchschnittliche Höhe gestiegen sind – vor allem, weil die Geräte feste Prozentsätze wie 10 oder 20 Prozent vorgeben, an denen sich Kunden orientieren. Ein Anbieter berichtete sogar von +65 Prozent höheren Trinkgeldern innerhalb von sechs Monaten, nachdem die Funktion aktiviert wurde.

Allerdings passiert das nicht aus reiner Großzügigkeit. Und da liegt mein Problem: Viele Kunden fühlen sich durch die Abfrage unter Druck gesetzt, besonders weil die Entscheidung direkt am Terminal und oft in Anwesenheit anderer getroffen wird.
Ein weiterer gefährlicher Effekt: Kartenzahlungen tun auch in puncto Trinkgeld „weniger weh“ als Bargeld, weil das Geld nicht physisch übergeben wird.


