„Was für ein Spiel.“ Mit diesen Worten gratulierte Friedrich Merz der Nationalmannschaft nach dem WM-Aus auf X. Und ich frage mich ernsthaft: Welches Spiel hat der Kanzler da eigentlich gesehen?
120 Minuten Fußball zum Vergessen
Denn ich habe dasselbe Spiel gesehen und deswegen auch wenig geschlafen. Aber das rechtfertigt nicht diesen Post. Es war kein „was für ein Spiel“. Es war grausam. 120 Minuten herzloser Fußball gegen Paraguay. Stumpfes Ball-hin-und-her-Geschiebe, kaum eine zwingende Chance, kein Tempo, kein Plan, kein Feuer. Am Ende ein Ausscheiden bei einer WM, das absolut verdient war. Wer 120 Minuten lang nichts auf den Platz bringt, hat das Weiterkommen auch nicht verdient – so bitter das klingt.
Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel, @DFB_Team! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch. pic.twitter.com/TCMfDH6ROS
— Bundeskanzler Friedrich Merz (@bundeskanzler) June 29, 2026
Am meisten stört mich, wofür Merz die Mannschaft lobt: für „Einsatz“ und „Teamgeist“. Ausgerechnet. Genau das hat doch komplett gefehlt. Man hat in diesen 120 Minuten nie das Gefühl gehabt, dass dieses Team wirklich will. Und das war schon gegen Ecuador so. Wer diesen lustlosen Auftritt als leidenschaftlichen Kampf verkauft, hat entweder ein anderes Spiel gesehen oder erzählt uns bewusst etwas vom Pferd.

Und damit sind wir beim eigentlichen Punkt. So peinlich der Auftritt von Kimmich, Nagelsmann und Co. war: Der größere Witz ist dieser Post. Da feiert der Bundeskanzler die Nicht-Leistung von Millionären, die es nach mehreren enttäuschenden Turnieren in Folge wieder nicht hinbekommen, uns einen schönen Fußball-Sommer zu schenken. Und genau darum geht es ja: Um diese Sommerabende mit der Familie und Freunden, Public Viewing, einem ganzen Land in guter Laune. All das fällt wieder aus. Stattdessen sitzen Millionen enttäuscht da – und von ganz oben heißt es: „Wir sind stolz auf euch.“
Das haben die Fans nicht verdient
Nein. Auf diesen Auftritt ist niemand stolz, der ehrlich hingeschaut hat. Ein Kanzler darf der Mannschaft den Rücken stärken, klar. Aber er muss nicht so tun, als hätten wir gerade ein großes Spiel gesehen. Das ist keine Aufmunterung mehr, das ist Realitätsverweigerung. Und die haben die Fans, die heute Nacht enttäuscht vor dem Fernseher saßen, nun wirklich nicht verdient.
Ein echter Neuanfang beginnt mit Ehrlichkeit. Dieser Post ist das Gegenteil davon. Da fragt man sich eher: Was darf Satire?

