Bill und Tom Kaulitz werden die neuen Moderatoren von „Wetten, dass ..?“. Am 5. Dezember 2026 werden sie offiziell die Nachfolge von Thomas Gottschalk antreten. Diese Nachricht polarisiert.
„Ich freue mich riesig“, sagt Sharone Treskow als Pro-Stimme.
Jetzt werde ich endlich wieder einschalten
Bill und Tom Kaulitz moderieren „Wetten, dass ..?“ – auch wenn ich zugeben muss, dass mich diese Nachricht völlig überrascht hat, hat sie mich doch riesig gefreut. Wieso? Weil ich jetzt wieder einen Grund habe, einzuschalten. 1994 geboren, fühle ich mich direkt abgeholt von dem offensichtlich geplanten Imagewechsel des ZDF-Zugpferds.

Ich stelle mir das ungefähr so vor: „Kaulitz Hills“, der enorm erfolgreiche Podcast der Zwillinge, nur im TV. Dass sie gute Promi-Kontakte haben und somit auch für Top-Gäste auf der „Wetten, dass ..?“-Couch sorgen werden, haben Bill und Tom längst bewiesen. Auch dass sie die Stimmen der Millennial-Generation sind. Sie können Trends erkennen und bedienen, die ein Thomas Gottschalk schon lange nicht mehr versteht.
Auch Bill Kaulitz wird Pailletten-Sakkos tragen
Ich bin auch überzeugt, dass die Kombination aus ZDF und Kaulitz funktionieren kann. Die Jungs sind für mich die perfekte Mischung aus unkonventionell und heteronormativ. Immerhin ist Tom als großer Fußball-Fan mit einer der schönsten deutschen Frauen verheiratet. Bill wiederum bringt noch etwas mehr Regenbogen mit.

Die schillernden Outfits, die Gottschalk so gerne bei „Wetten, dass ..?“ getragen hat – die einfach zu der Show dazugehören – wird Bill sicherlich gerne bedienen. Vor Pailletten, Samt und Leo-Print scheut sich der Tokio-Hotel-Frontsänger bekanntermaßen nicht.
Wir brauchen keinen alten weißen Mann mehr
Verjüngungskur statt dem nächsten alten, weißen Mann? Ja bitte! Früher habe ich „Wetten, dass ..?“ leidenschaftlich gerne geschaut. Es war ein absolutes Highlight für mich, zusammen mit meinen Eltern, eine schöne Kindheitserinnerung. Doch je älter ich wurde, desto seltener habe ich eingeschaltet. Es war einfach kein TV für junge Menschen.
Als die Sendung nach der großen Pause (2014 bis 2021) mit Gottschalk zurückgekehrt ist, dachte ich mir nur: Wieso? Der Moderator ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Weiß offensichtlich nicht mehr, was man heutzutage noch sagen darf. Und von Bill und Tom wird auch kein weiblicher Gast ungewollte Umarmungen befürchten müssen.
Soll das Fernsehen etwa aussterben?
Fortschritt ist in der Regel eine gute Sache. Daran wird sich die ältere Generation, die Gottschalk-Generation, meiner Meinung nach einfach gewöhnen müssen. Denn sonst wird das Fernsehen mit seinen aktuellen Zuschauern aus der Generation 60 plus aussterben.
Den Kritikern will ich abschließend sagen: Gebt Bill und Tom Kaulitz eine Chance, schaltet ein. Vielleicht werden sie euch ja überraschen. Den alten Glanz von „Wetten, dass ..?“ wiederbeleben, nur eben mit dem aktuellen Zeitgeist.

„Ich find’s schlecht“, sagt Stefan Tappert als Kontra-Stimme.
Bitte, liebes ZDF – denkt noch einmal nach
Die Idee, Bill Kaulitz und Tom Kaulitz als Moderatoren von Wetten, dass ..? zu installieren, wirkt weniger wie eine mutige Programmidee als wie ein verzweifelter Griff ins Regal „Irgendwas mit Reichweite“.
Denn seien wir ehrlich: Die klassische ZDF-Zielgruppe ist weit über 65. Und diese Zielgruppe kann mit diesen Zwillingen schlicht nichts anfangen. Das ist kein Vorwurf an Bill und Tom – sie funktionieren in ihrer eigenen Welt hervorragend. Aber eben nicht in dieser.
Soll „Wetten, dass ..?“ jetzt ein TikTok-Format werden?
Gleichzeitig schaut lineares Fernsehen faktisch niemand mehr unter 30. Wer junge Menschen erreichen will, muss sie technisch erreichen. Nicht symbolisch. Nicht durch das bloße Aufstellen von Gesichtern, die irgendwo auf Instagram existieren. Soll „Wetten, dass ..?“ jetzt ein TikTok-Format werden? Werden zwischen Sofawette und Baggerwette KI-Prompts eingeblendet? Oder Reaction-Clips fürs Publikum in der Halle produziert?
Apropos Halle: Wer soll dort eigentlich sitzen? Wer kauft Tickets, reist an, setzt sich live ins Publikum? Und noch spannender: Welche Prominenten setzen sich künftig freiwillig zur PR-Runde ins lineare Fernsehen, wenn die Sendung weder klar jung noch klar klassisch ist – sondern irgendwo dazwischen stecken bleibt?
Für wen ist diese Werbung gedacht? Wen genau will man erreichen?
Man kann Zielgruppen nicht einfach austauschen wie Moderatoren. Und man kann Formate nicht retten, indem man sie mit Namen beklebt, die in einem völlig anderen Medienökosystem funktionieren.
Wenn ich Schokolade kaufen gehe, landet am Ende kein Käse im Einkaufswagen. Auch nicht, wenn der Käse besonders angesagt ist.

Also bitte: Lasst den Käse. Macht Programm für die Menschen, die euch wirklich schauen. Diese Zuschauer sind da. Sie sind treu. Und sie haben es verdient, mit neuen Ideen für ihre Welt versorgt zu werden – nicht mit Konzepten, die allen gefallen sollen und am Ende niemanden richtig erreichen.



